reflexionsversuche-oder: die blinden flecken der zeit

von MaryamSamara

Wir treffen uns am Nerv unserer Zeit. Die Berührungen haben stetig zugenommen. Zur Begrüßung nehmen wir uns in die Arme und wir beschließen den Abschied mit Küssen. Unsere Worte fallen brühwarm aus unseren Mündern. Und wir meinen immer, was wir sagen, könnten wir nur alles tun, was wir meinen, was wir sagen, was wir tun wollen. Schnell fühlen wir uns verantwortlich, schnell und flüchtig.

Vom einem Extrem ins andere stolpern wir, genauso blind für unsere Zeit wie die zuvor für ihre Zeit.

Wo gestern Gefühle fehlten, fehlt heute der Wille. Wo heute der Wille fehlt, fällt uns die Beliebigkeit in den Schoss unserer Geborgenheit. So verfehlen wir uns selbst und wollen den Preis nicht zahlen. Wir sortieren die Dinge nach dem Umfang ihrer Versprechungen auf Annehmlichkeit. Wir nehmen Verbundenheit an und weisen die Verbindlichkeit aus, schieben sie ab aus unserem Verantwortlichkeitsbereich.