brain storming zur einsamkeit

von MaryamSamara

[und dann solle es für mich erstmal genug mit ihr sein]

nachdem man das imaginäre kind der einsamkeit wieder [einmal] geboren hat, kann man es von oben betrachtet für harmlos halten.

wir unterscheiden allein-sein und einsam-sein und vergessen den prekären umstand, dass wir den beiden seine namen gaben.

allein-sein ist nicht immer ein mit- allem- ein- sein, manchmal ist es ein

mutterseelenalleinsein.

zurück zu den einsamkeiten:
es gibt eine einsamkeit, die uns an unser von der welt getrennt-sein erinnert. in ihm wohnt ein schöner schmerz, ein ziehen zur einheit. es ist vor allem auf bergen zu finden oder mitten in der natur. es zeigt sich nur beim alleinsein oder im miteinander schweigen können. als ich jünger war, spürte ich es oft. die anderen machten sich sorgen und dachten, ich sei tieftraurig. ich wurde wütend, weil man mich unterbrach. ich wurde traurig, weil man mich nicht verstand. ich war nie weiter von mir weg und mir gleichzeitig so nah. ich nannte es bei-gott-sein.

es gibt eine einsamkeit, inmitten der menschen, wenn man es nicht schafft, sich in der menge mit ihnen zu identifizieren; das gefühl ein splitter zu sein. man meint, dass man mit der masse verschmelzen müsste und weiß nicht wie, sie werden einem nur noch fremder und man flüchtet sich ins allein-sein, um dem zum scheitern verurteilten anspruch zu entgehen. man merkt, dass man besser als andere bei sich sein kann, aber anscheinend angst vor den anderen hat, die fremde sind und bleiben.

es gibt eine einsamkeit, die in den momenten entsteht, in denen wir einsehen müssen, dass wir alleine geboren werden und alleine sterben [werden]. es wird uns klar, dass all die anderen gefühle von beisammensein, nichts als tröstungen sind, deren potenzial von vornherein durch ihre grenzen eliminiert  ist. diese einsamkeit öffnet zwei mögliche wege: verzweiflung und/oder befreiung. wenn wir nicht gänzlich verzweifeln, können die tröstungen wirkliche heilmittel sein, weil wir aufgehört haben, unmögliches von ihnen zu erwarten.

es gibt eine einsamkeit, die entsteht, wenn wir in einem elementaren bedürfnis beschnitten sind, wenn wir einen wichtigen teil unserer selbst, nicht ausleben können. wenn uns etwas fehlt, was wir nicht für/mit uns selbst sein können. wir werden erinnert, wie angewiesen wir auf die welt sind und im besten fall lernen wir, uns weniger ernst zu nehmen, nachdem wir uns ernst genug genommen haben.

es gibt eine neue art der einsamkeit, die damit zu tun hat, dass wir uns mit worten und bildern weltweit vernetzen, während wir allein vor einem bildschirm sitzen. auch die körper können einsam sein.