weiter träumen

von MaryamSamara

Du wusstest nicht, was du sagen solltest, also hieltest du dich ans Schweigen und ich musste dich entweder für einen Feigling halten oder für uninteressiert. Ich entschied mich bewusst für den Feigling und glaubte an den Uninteressierten.

In meinen Träumen aber saßt du einfach da und schautest mich an. Es war alles klar und wie ruhig es wurde um uns herum. Ich sagte zu dir:

Ich habe nie etwas von dir erwartet. Und du sagtest: Ich weiß.

Und ich sagte: Wir können hier ewig so sitzen und du sagtest: Ich weiß.

Alles ist einfach, sagten deine Augen und meine: Ich weiß.

Aber manchmal hast du mir Angst gemacht, sagtest du plötzlich und ich sagte nicht mehr „ich weiß“, obwohl ich durchaus wusste, aber es hätte deiner Bekenntnis die Anerkennung genommen und ich wusste, dass das ein besonderer Augenblick war, einer von denen, die sehr selten sind, sogar in Träumen und deshalb hielt ich nur den Atem an und mein Herz und flüsterte: Warum?

„Dass ich dir nicht gewachsen wär.“, sagtest du und ich schaute hoch zu dir und verstand nicht, was du sagtest, es war wie in einer anderen Sprache gesprochen, wirres Zeug. „Allein, dass ich dich aussuchte bedeutet doch, dass du mir mehr als gewachsen bist.“, versuchte ich ein wenig Sinn hinein zubringen. Die Teile deines Satzes in einem anderen Kontext zu wiederholen und auf gut Glück den ersten Teil meines Satzes an den zweiten zu hängen in der Hoffnung, die Wirklichkeit würde es als wahr annehmen, als genug sinngebend und der weitere Verlauf unseres Gespräches würde den Faden aufnehmen, du würdest nicken und sagen: Ja, das ergibt Sinn, dass ich nicht früher darauf gekommen bin.

Du fingst an mich zu küssen, aber es war keine bejahende Antwort, sondern eher ein Versuch etwas nicht-klärbares zu umgehen, eine Ablenkung, so als wolltest du verstecken, dass hinter der Angst des nicht gewachsen sein eigentlich ein Vorwurf  steckte, so als stünde da anstatt des „dir nicht“ noch etwas ganz anderes.