Rubrik: Nicht abgeschickte Briefe

von MaryamSamara

Wir nähen die Nähe in unsere Geschichten hinein, weil ihr Stoff aus Sehnsucht besteht. Dein Stoff besteht selbst aus Nähe [ich erkenne das, denn auch meiner hat Anteil daran], darum verstehst du das Bedürfnis der anderen nach diesen Nahtstellen nicht.  Am Ende bist du der einsam bleibt, dich selbst gebend ohne etwas zu nehmen, und das ist es, was mich schmerzt, von meinen eigenen Bedürfnisse einmal abgesehen[versteht sich].

Leidenschaft kennen nur die anderen, die mit den Nähten, die die sich mit ihrem Stoff nicht zufrieden geben können, die flicken müssen, da er allein nicht genug hergibt für ein gutes Leben.

Gestern überkam mich [mal wieder] eine Welle des Geliebt-seins- wie viel das mit dir zu tun hat, weiß ich nicht, aber es geschah dieses unglaubliche si vis amari, ama, ich dachte mit Liebe an die Familie und es kam sofort und unmittelbar zurück, so stark dass ich nicht verstand, wie man es je vergessen kann, dieses Band, das einen verbindet, so heftig, dass dem Aspekt der Einsamkeit eine gewisse Lächerlichkeit anhaftete.
Ich wäre dir gern näher ohne diese Nähte, einfach so. Das, was meine Seele fühlt, würde ich gerne ins Manifeste bringen. Es ist nichts [quantitativ] großes, was ich möchte, nur schön und still und nah.

Wenn du mir vertrauen könntest, wenn du nur wolltest, wenn du so etwas wie Neugier entwickeln könntest auf ein Kennenlernen. Alles wäre nach deinen Konditionen, da meine schon hinreichende Bedingung sind für ein Zusammensein: mit oder ohne Körperlichkeiten, mit oder ohne Exklusivitäten, mit oder ohne Festlegung der Dauer unseres Zusammen-seins.

Es gibt Menschen, denen begegnet man und weiß, dass da was ist, nur was es ist, weiß man nicht.

Ich werde erst wirklich wach, wenn mir so jemand begegnet. Für mich ist alles andere nur die Kulisse und der eigentliche Zweck sind die Treffen mit bekannten Seelen. Hätte ich nur nicht die Sorge, dass sich dem subjektiv Empfundenen nichts objektiv Seiendes abgewinnen ließe, ich würde auf deinem Interesse bestehen. So aber bleibe ich so still ich kann und hoffe, dass da von außen etwas kommt, das mich von dem Vorwurf der Manipulation freispricht, sich in meine Welt eindrängend und dringend.

Und zum Beweiß, dass es keine Bindfäden sind, die dich binden wollen, habe ich dich hundert mal schon gehen lassen und bin weiter gegangen, bereichert durch die Erkenntnis des eignen Irrtums. Es geht nicht darum, ob man ohne den anderen Leben könnte, es geht hier nur um eine Möglichkeit eines besonderen Weges, den man gehen könnte, wenn man will und es sich traut.