Haus&Hof

von MaryamSamara

Ich suche ein Haus, dessen Mauern nichts aus Furcht gebaut sind. 

Die Wände meines Hauses umfassen mich, so als spionierten sich mich aus. In der Spiegelung des Fenster ist mein Gesicht das Gesicht meiner Mutter, schön, jung und am lachen. Ich weise sie darauf hin. Sie sieht so unbeschwert aus, voller Möglichkeiten und sie glaubt es nicht: Das bist du, sagt sie. Das sind die Ähnlichkeiten zwischen uns im Fenster unserer Zeit unter dem Dach deines Hauses.

Seit langer Zeit suche ich ein weniger vereinnehmendes Haus und Noah zeigt mir eines in Neuköln. Ich sage zu den anderen: Es hat das schönste Treppenhaus, das ihr je gesehen habt!-so als sagte das sehr viel über die Wohnung.

Da fällt mir plötzlich ein, dass ich doch schon Monate eine andere, schöne und große Wohnung habe, mit länglichem Grundriss. Nur die Hausverwaltung hat sich immer noch nicht gemeldet und ich flüstere Noah zu: Ich befürchte, ich bezahle seit geraumer Zeit doppelte Miete, ohne zu wissen, ob ich die Wohnung bekomme. Wie konnte ich das nur vergessen?

Noah sagt: Nein, das kann ja nicht sein. Erst wenn du den Vertrag unterschrieben hast, zahlst du. Und da fällt es mir ein: Ja, so muss es sein. Ich habe mich sicher geirrt. Wir gehen zurück zu den anderen und ich rufe: Ich habe geträumt, dass Noah mir eine Wohnung in Neukölln gezeigt hat, die hat das schönste Treppenhaus, das ihr euch vorstellen könnt!

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Ein Honigglas zerbricht und ich lecke den wertvollen Honig ab, aber es haben sich Splitter in ihm verfangen, man kann ihn nicht mehr retten und so beeile ich mich ihn in den Mülleimer zu werfen. Auf dem Weg dahin ziehe ich eine Spur aus Honig und ich warne die anderen nicht auszurutschen von den Splittern sage ich nichts. Ich werde sie wegwischen und kräftig ausspucken, wenn ich die Spüle erreicht habe.

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Wir befinden uns in einer Ferienwohnung meine Familie und ich. Auch meine Mutter ist dabei. Das Wohnzimmer ist sehr groß und erinnert ein wenig an eine Werkstatt. Dort  finden wir zwei ungeschlüpfte Drachenbabys, ein Junge, ein Mädchen. Das Mädchen schlüpft bevor wir verstehen wie es passiert. Sie ist sehr flink und lebendig, im ersten Moment halten wir sie für harmlos bis das Drachenmädchen ihren Bruder anknabbert, der noch in halb mit seinem fleischigen Kokon verbunden ist. Wir verscheuchen sie. Der Drachenjunge hat eine Wunde an seiner Schulter und ich verstehe, dass Drachen gefährlich sind, vor allem die jungen, denn sie biss ihn ohne es überhaupt böse zu meinen mit einer Art Freude. Und wenn ein Drachen nicht sehen kann, dass er seinesgleichen schadet, dann kann man gar nichts von ihm erwarten.

Der Drachenjunge schlüpft und seine Wunde scheint ihn nicht doll zu stören. Irgendwie sind wir erleichtert bis wir feststellen, dass wir nun zwei von ihnen haben und acht geben müssen, dass sie uns nicht ankabbern. Wir überlassen ihnen Wohnzimmer und flüchten in die Küche. Ich schließe noch schnell die Tür.

Wir stehen in der Küche und schauen den Drachen beim wachsen zu. Mittlerweile können sie auch Feuer spucken. Sie haben uns noch nichts getan, aber es ist jederzeit zu erwarten. Die Tür öffnet sich immer wieder und ich schließe sie immer wieder und schicke andere sie zu schließen, aber sie lässt sich nicht schließen.

Es reicht mir in dieser ständigen Sorge mit der offenen Tür und der Angst vor den Drachen zu leben und auch wenn ich sie durchaus gerne habe, auf eine mütterliche Weise, finde ich, dass sie nicht ins Wohnzimmer gehören. Meine Mutter ist anderer Meinung und ich sage resigniert:

Wie soll man denn so Urlaub machen??