Das Mädchen schreibt einen Brief

von MaryamSamara

Das Mädchen überlegt, ob sie ihm schreibt. Stillstand kann unertragbar sein, diese Bewegungslosigkeit, die uns in einer Ecke, die ein Dreieck bildet gefangen hält. Lieber etwas dummes machen, als in ihr zu verharren. Mit der Bewegung kommt die Bereitschaft, die Hoffnung beiseite zu legen und sich stehend zu stellen. Wenn die Geduld einen Zenit hat, dann hat ihre ihn schon lange überschritten; von dort sieht jeder Schatten aus, als lohnte es sich nicht, das Warten, das Erwarten und am wenigsten das Erwartete. Also raus aus diesem quälenden Schatten der Gleichgültigkeit und ihn mit ihrem Schreiben erschrecken oder verschrecken, vielleicht auch aufschrecken, auf und davon.

Aber bevor sie ihm schreibt, dass zwei Wochen, die ihn Bezug zu ihm stehen mindestens zwei Monate sind und jeder Tag von Stillstand flüstert und dass ihr Leben ihn dieser Starre gefangen gehalten zu werden droht, als wäre an einem gewissen Punkt alles entschieden und die Würfel wären nicht nur gefallen, sondern waren am Tisch festgeklebt worden. Etwas sagt: Es ist nun schon so lange so. Deshalb wird es immer so bleiben. Besiegelte, inakzeptable Einsamkeit, ein Leben vergeudet zu haben.

Das konnte sie nicht schreiben. Niemand würde das lesen wollen. Die, die sie schon liebten, würden sich sorgen und die, die sie nicht gut genug kannten, würden sie für exzentrisch erklären, zumindest für unangenehm dramatisch. Er liebte sie nicht. Er würde nicht schweigen.

Warum also schreiben, es schlimmer machen, warum nicht schweigend in Würde gehen, so dass sie ihm in Zukunft mit gleichmütiger Freundlichkeit zunicken konnte, wenn sie sich begegneten. Es muss wohl der Wille zur Klarheit sein, nichts hinter sich zu lassen, eine kathartische Zerstörung aller Reste; im besten Falle auch feste Entschlossenheit das Schutzschild herunter zu lassen und sein Herz in seine Nacktheit zu zwingen, damit es sich daran gewöhnen und mutiger werden würde, verstünde, dass das Leben verletzlich ist und gerade eben darin seine Schönheit liegt.

Auch das konnte sie nicht schreiben. Es wäre kein Spaß, so ein Mädchen zu treffen, eine, die das alles so ernst nimmt. Es würde so aussehen, als bräuchte sie Samthandschuhe, wo doch genau das Gegenteil der Fall war.

An einem bestimmten Punkt wird es schwierig jemanden zu begegnen, der versteht. Und es sah so aus, als hegte sie doch noch eine leise Hoffnung, dass er sie verstehen könnte und Erbarmen mit ihr und ihrem Stolz hätte, eine Bewegung auf sie zu [täte].

Die Sonne schien[,]ein Indiz für Veränderung [wie sie sich an gewissen Doppeldeutigkeiten erfreute].

Ich wünsche mir Nähe zu  dir, könnte sie schreiben, wenn Nähe nicht etwas wäre, das entweder ensteht oder nicht und nichts voranzutreibendes oder einforderbares.

Wann kommst du mich besuchen?, könnte sie schreiben, wenn sie es so locker meinte, wie sie es schreiben würde, was sie aber nicht tat, da zwei Wochen ihr in seinem Falle wie zwei Monate vorkamen.