Meine erste Begegnung mit Herrn K

von MaryamSamara

Es war an einem Sonntagmorgen, als Herr K mir zum ersten Mal begegnete. Die Nacht zuvor war Vollmond gewesen und zur Morgendämmerung sangen die Vögel als wäre es ihr erstes oder letztes Mal. Ich selbst lag schlaflos im Bett mit Husten und Kopfschmerzen, ein Husten, der sich schon seid Monaten bei mir eingenistet hatte, so dass ich schon fast an ihn gewöhnt war, in dieser Nacht aber litt ich unter ihm, so dass mir Mond egal war. Die Vögel stellte ich mir in bunten Federkleidern vor, was eine tropische Atmosphäre heraufbeschwor, die meine Kopfschmerzen erklärte und wenn man es nicht so genau nahm, auch den Husten.

Ich schlief erst nach dem Aufgehen der Sonne ein, ein kurzer Schlaf, der kaum Erholung brachte, nur so viel, dass ich aus dem Bett steigen konnte, Kaffee machen. Luft!- dachte ich. Ich brauche Luft. Und so taumelte ich im Schlafanzug aus dem Haus, die Kaffeetasse in der Hand. Luft!

Draußen angekommen, bemerkte ich, dass es auch dort kaum Luft gab, alles war klamm und drückend, es schien als wäre die Luft am Ende ihrer Ressourcen angekommen und ich dachte meine Panik und den nächsten Hustenanfall unterdrückend:

Wir haben uns die ganze Zeit, um die falschen Vorhaben Sorgen gemacht.

Ich stolperte über das Feld, kein Mensch war zu sehen. Das erleichterte mich: Was wenn die anderen es auch wahrnahmen, den Mangel an Luft? Dann wäre es erst wirklich wahr.

Mein Kaffee war inzwischen kalt geworden, ich schüttet ihn über mich, damit ich die Luft spüren könnte, sie aus ihrer Unsichtbarkeit herausholen, sie enttarnen. Aber es bleib nur das Gefühl kalten Kaffees auf meiner Brust, dem Bauch und den Beinen, klebrig obwohl kein Zucker drin war.

Luft! Ich stolperte weiter und versuchte mir einzureden, dass ich schlief. Vielleicht war das Kissen über mein Gesicht gerutscht. Ich tastet mein Gesicht ab. Nichts. Ich machte Bewegungen in dern luftleeren Raum, so als entfernte ich ein Kissen. Immer noch keine Verbesserung.

Die Brust wurde zunehmend enger. Das Atmen fiel immer schwerer. Gleich kippe ich um, dachte ich. Aber ich blieb stehen, wie in einem Vakuum gefangen. Da sah ich ihn auf mich zukommen, Herrn K.

Mit letzer Kraft winkte ich ihm zu, er winkte fröhlich zurück und kam weiter auf mich zu.

Luft, sagte ich. Guten Morgen, sagte er.

Es klingt unglaublich, aber mit einem Mal verflog meine Panik. Es tat sich die Idee einer Möglichkeit-wie verwegen sie auch gewesen sein mag-ohne Luft atmen zu können! Wenn er Guten Morgen sagen konnte, dann müsste doch alles Mögliche möglich sein.

Herr K war ein großer, schlanker Mann mit langen, rabenschwarzen Haaren und einem durchdringenden Blick. Ich hatte immer etwas für Männer mit langen, schwarzen Haaren übrig gehabt und so war er mir sofort vertraut. Dass er barfuß war, beunruhigte mich nicht, im Gegenteil, ein Mensch, der mit nackten Füßen auf der Erde zu laufen versteht, das muss ein guter Mensch sein, dachte ich und nahm seine Hand, ließ mich mit ihm ziehen. Es fühlte sich an, als hätte ich klitzekleine Rollen unter den Füßen und er zöge mich mit, so dass ich meine Energie zum atmen benutzen konnte, wofür ich Herrn K sehr dankbar war und ich beschloss, ihn mit allen angebrachten und unangebrachten Fragen zu verschonen.

Es roch immer stärker nach Meer und ich wunderte mich nur wenig, hier gab es weit und breit kein Meer. Und wie konnte ich das Meer ohne Luft riechen?

Wir sind da, sagte Herr K.

Wo, wollte ich fragen, erinnerte mich jedoch gerade noch rechtzeitig an mein Vorhaben und nickte nur mit dem Kopf.

Es ist schön anzukommen, sagte ich. Und er sagte: Ich wusste, dass du es verstehst.

Woher, lag mir auf der Zunge,

aber da umwehte mich mit einem Mal eine Brise, so dass es ganz unwichtig wurde.

Ich habe ein Haus aus Toilettenpapier gebaut, sagte Herr K. Er klang sehr stolz dabei. Man muss nur wissen wie, sagte ich. Und er nickte mit dem Kopf und sagte: Ich habe mit den Türen angefangen. Wasser und Toilettenpapier.