Absichten

von MaryamSamara

Sie wollte ihn, aber die Tatsache, dass die Tat mehr wog als der Wunsch, hielt sie von ihm ab. Er wollte sie und sein Verlangen war stärker als jede wirklich Berührung. Nach seinen Gesetzen kam es darauf an, dass niemand davon erfuhr, [denn] dann wäre es nicht wirklich geschehen. Das in die Tat umgesetzte Tun würde lediglich die Wellen der Sehnsucht glätten, die Ordnung wäre wieder hergestellt.

So kämpfen Idee und Umsetzung miteinander, Wille und Wirklichkeit. Irgendwie befinden wir uns immer zwischen Stein und Sandwerdung. Und die Büsche der Wüste sind Tütenfänger geworden. Wo würden die Tüten hinwehen, wenn es keine Büsche gäbe? An welchem Grenzzäunen würden sie hängenbleiben? Die Büsche mit ihren bunten Tüten wehen im Wind der Wüste. Wenn es Absicht gewesen wäre, dann wäre es Kunst.

Kunst ist also, die Dinge in Absicht anzuordnen, sie zu arrangieren, ihnen eine Bedeutung über sie hinaus zu verleihen, eine Idee, eine Geschichte, sie aus ihrer Zufälligkeit herauszuholen, ihnen den Hauch des Schicksals einzugeben?

Warum, fragt der Junge, warum bewundern wir die Pyramiden, dieser Berg hier ist doch größer als sie. Die Mutter überlegt und sagt: Weil wir die Dinge bewundern, die wir gemacht haben.

Aber ihre Antwort kommt ihr dumm vor und deshalb sagt sie weiter: Das ist eine gute Frage. Gute Fragen sind die, auf deren Antwort es nicht ankommt. Denn das Wundern können, das ist der Wind in der Luft des Lebens.

.

Die Dinge, die wir suchen sind die, die wir nicht wirklich verstehen können. Vor denen wir mit offenen Mündern und klopfenden Herzen ratlos stehen, wie der Liebe. Ich kann nicht lieben, ohne staunen zu können, wie es sein kann, dass…

Und es ist wirklich, dass die schönsten Orte ohne jemanden, nicht allzu viel bedeuten. Früher habe ich das anders empfunden. Entweder habe ich die Fähigkeit verloren, die Natur als Jemanden [mehr noch: als den Geliebten] zu betrachten oder aber ich bin nun mehr Mensch geworden, so dass ich begreife, dass ich einer anderen Seele bedarf mit der ich teilen kann.

Jedem Menschen, dem ich begegne, der nicht Jemand ist, dem erteile ich eine Absage. Du bist nicht dieser Jemand. Ab und zu begegne ich Menschen, in denen ich gleich etwas besonderes erkenne. Besonders im Vergleich zu ihrem Umfeld, nicht besonders für mich persönlich.

Eine Weile überlege ich, wie ich ihnen die Botschaft ihrer Besonderheit übermitteln kann, ohne die anderen herabzusetzen. Nein. Die Besonderheit einer Person, setzt die anderen unwillkürlich herab. Aber vielleicht wäre es wichtig für den einen gewesen, gesehen zu werden. Und dann wieder: Was bilde ich mir eigentlich ein, wer ich bin und verbleibe mit einem Funkeln in den Augen und guten Wünschen. Sollte das alles sein, dass….

.

Das Leben der Zurückgeblieben gleicht einer Schneekugel von feuchten 36 Grad C. Erst die Rückkehr an den vergessenen [oder verdrängten?] Ort, lässt mich das verstehen. Ich selbst bin ein kleiner Mythos geworden mit allerlei Geschichten und mein Besuch legt eine Wichtigkeit über mich, die ich weder beabsichtigt habe, noch wollte.

Weißt du noch?- werde ich gefragt und ich habe vergessen. Das alles, mit all den Menschen, die jetzt weinen und mich nicht mehr loslassen wollen und fragen, warum ich so lange gebraucht habe. Mein Zimmer ist immer noch so, wie es verlassen habe, ich will es nicht sehen. Es ist unheimlich ein Zimmer zu haben, das man vergessen hat, das man längst anderweitig benutzt glaubte. Aufgrund meiner Treulosigkeit und der Weite meiner Welt, verspreche ich Besserung.