Schönheit III

von MaryamSamara

Es war einmal eine Frau aus Saudi Arabien, die war zu Besuch in Deutschland. Sie mochte es hier sehr, vor allem das Wetter, den vielen Regen. Sie nutze ihre Zeit indem sie so oft wie möglich als Beifahrerin mit Frauen Autos fuhr.

Der Anblick einer Frau hinter dem Steuer löste in ihr Gefühle der Freude und Verwunderung aus, die sie nicht näher erklären konnte. [Vielleicht kam das Wort Freiheit als Name des Bildes einer Frau beim Autofahren am nächsten.]

Der Anblick der Frau aus Saudi-Arabien löste bei mir scheinbar ähnliche Gefühle der Freude und Verwunderung aus, sie war schön ohne schön zu sein. Sie war nicht hässlich, das ist nicht das Gemeinte, aber ihre Schönheit rührte nicht aus ihrer Äußerlichkeit. Es war mehr als ihre Natürlichkeit, diese Ungeschminktheit, die jede Schwäche umso deutlicher zeichnete, es war als hätte sie noch nie in den Spiegel geschaut.

Es war die Schönheit eines Menschen, der sich seiner äußere Erscheinung nicht bewusst ist, sie nicht gelernt hat in Betracht zu ziehen oder zum Vergleich zu stellen, ein Gesicht, das geschützt wurde vor Eitelkeiten.

Erst im Vergleich zu der Schönheit der Frau, wurde mir den Schaden, den uns Frauen [,die wir in Ländern großgeworden sind, in denen Schönheit als Ware gehandelt wird, als etwas messbares, erzeugbares]  zugefügt wurde, bewusst.

Und es war das Wort Freiheit, das mit in den Sinn kam, als ich beim Lächeln zuschaute. [Die Freiheit, sich selbst vergessen zu können und gerade deshalb da zu sein.]

Und ich erinnerte mich an Ägypten, dass ich auch dort dieses Gefühl hatte, sein zu dürfen, ohne durch meine äußere Erscheinung beurteilt zu werden. [Damit meine ich nicht, dass meine Erscheinung nicht zumindest beim männlichen Geschlecht für Entzücken gesorgt hätte oder dass ich mir dessen nicht bewusst gewesen wäre.]

Ich meine damit, dass ich sicher war, dass ich auch sehr hässlich sein könnte, und es mich im Wert meines Mensch-seins nicht beeinträchtigt hätte. Die Menschen messen dort anderes, genauer kann ich es nicht sagen.

Was ich aber sagen kann und weiß: Wir leben in einem Breitengrad des Schönheitswahn und er ist so weit fortgeschritten, dass ich nicht genau weiß, wie ich den Weg zurückfinden soll.

[Bitte nicht als Aufruf zu/Wunsch nach Saudi-Arabischen Verhältnissen betrachten!]