An alle Ausgebrannten. Burn Out

von MaryamSamara

Was soll jemand schreiben, dem der Stift aus der Hand zu fallen droht, noch bevor er ihn aufgenommen hat, dessen Taten, Wünsche und Worte scheinbar allesamt im tiefen Sumpf des Lebens untergegangen sind, der weder den Kampf noch den Geist mehr zu erkennen vermag, geschweige denn zu aufzunehmen, sogar sein Scheiterhaufen ist zu einem abgebranntes Stück Erde geworden?

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Die auf dem Bodensatz des Da-Seins können nicht einmal mehr schweigen, denn ihr Schweigen ist ihr Atem geworden mit dem sie sich über Wasser halten.

Wie also sollen sie sich verständigen, verständlich machen in einer Welt, die davon lebt am laufen gehalten zu werden, unterhalten, sich beständig weiter und weiter dreht?

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Das ist keine Klage, nur ein Versuch. Ich hätte es kommen sehen müssen und sah es gerade deshalb nicht. Nicht da sein wollen, wo man gerade ist, schon so lange sagen: Es kann nur besser werden und dann geht es nocheinmal hinab, bis wann, bis wohin. Fragezeichen.

Gebrochen, ohne zu verstehen durch was und wen,

wutlos unglücklich (eher tieftraurig) weil man nicht weiß, was man will, wollen sollte und wie man es erreicht, wenn man es wüsste. Nicht zu wissen, wie man weitermachen soll, wenn man nicht mehr kann. Nicht wissen, wie man nicht weitermachen kann und dennoch leben als würde es reichen aus und ein zu atmen und selbst das geht über seine gefühlte Kraft.

Und die Scham sich so zu fühlen. Vielleicht ist sie das schlimmste. Diese Scham, die einem von allen anderen trennt. Das Wissen, dass alle alltäglichen Begegnungen unmöglich werden, wenn man offen legt, wie fertig man wirklich ist. Der November ist wirklich ein dunkler Monat, sagen die Leute dann. Und man hasst sich und die anderen, dass doch auch der August nicht heller war, man es aber nicht sagen kann, ohne die Sonne eine Lügnerin zu nennen und allen anderen vor den Kopf zu stoßen.

Alle Wege, sich hoch zu ziehen, sich auszuruhen, sich an Wünschen festzuhalten, sich selbst in den Hintern zu treten, nur noch bis zum nächsten Tag zu schauen, all das greift nicht mehr.

Das einzige, was du weißt, dass du nicht da sein willst, wo du gerade bist. Und selbst wenn du es akzeptierst, dann löst sich deine Situation oder dein Gefühl zu der Situation nicht auf. Du bleibst gebrochen, so wie die Knochen deines Körpers es tun würden, wenn du akzeptierst, dass sie gebrochen sind.

An alle ausgebrannten, die dieses schreckliche (Ein)ziehen der Müdigkeit bis in die hintersten Ecken deiner Existenz kennen.

Ich bekenne….