Wille und Wirklichkeit oder: Hausarrest des Optativ&Co

von MaryamSamara

„In Liebe dichten. Dir in Liebe dichter kommen.“

So etwas in der Art schrieb ich einmal. Meine Schwärmerei zählt auch zu den Dingen, die ich verloren zu haben scheine, aber ich vermisse sie nicht. Kein bisschen.

Es ist als würde ich langsam (aber dafür um so gründlicher verstehen), dass die physische und die psychische Welt nur zusammen vollständig sind. Die schönsten Gefühle entwerten sich selbst, wenn sie sich nicht auch im Außen manifestieren.

Diese Erkenntnis habe ich der Müdigkeit zu verdanken, die so unwillkommen war (und ist), deren Funktion ich nur langsam Anerkennung entgegenzubringen verstehe, so als wäre ich ein besonders begriffstutziges und störrisches Kind (was ich nie gewesen bin).

Erst als ich müde genug war, erkannte ich, dass es mir nicht mehr reicht beim Treffen auf bestimmte Menschen intensive Gefühle zu haben, so als seien sich die Seelen ähnlich, als wäre da viel Zuneigung zwischen uns, wenn diesem Treffen keine Taten folgen. Wenn der andere nicht da ist, wenn man ihn braucht, wenn ich nicht da bin, wenn er mich braucht, weil man eben gar nicht weiß wie es dem anderen gerade geht, das Aufeinandertreffen entweder sporadisch oder mehr oder weniger zufällig zustande kommt.

So richtig klar geworden ist es mir als ich vor kurzem wegen einer Lungenembolie im Krankenhaus lag. Ein Wunder, dass ich noch lebe, sagten die Ärzte.

Dieser Vorfall hat mich nicht im erwarteten Sinne wachgerüttelt. Da war kein: Jetzt änder ich mein Leben!-Gefühl, keine Ausbrüche von Erleichterung oder Dankbarkeit.

Es erfasste mich auf einer anderen Ebene als der emotionalen und nachdem ich aufhörte mich zu wundern, dass meine bekannten Gefühle sogar unter Todesdrohungen nicht auftauchen wollen, legte sich eine pragmatische Ruhe auf mich, der ich nie zugetraut hätte, so wohltuend zu sein:

So.. du lebst also noch.

Du schriebst einmal verzweifelt, dass manchmal das einzige noch zu schaffende das Atmen sei bis du nicht einmal das noch konntest. Und Da du diesmal nicht gestorben bist, was willst du ändern in deinem Leben, damit es schöner ist als der Tod?

Auf einmal fiel es leicht sich von allen möglichen Ansprüchen, Ängsten und Vorstellungen zu trennen. Das Loslassen geschah „einfach“ auf eine fremde, trockene Art.

Es liegen Möglichkeiten in den Momenten, in denen das einzig uns bekannte Ende vor uns steht. Sogar wenn es ganz anders ist als erwartet, sogar wenn es fast gewünscht war. Man kann es ja noch einmal mit dem Leben versuchen. So etwas in der Art.

Der starke Drang zu schreiben oder mit anderweitig mitzuteilen, auch der hat sich gelegt. Und ihn vermisse ich ebenfalls nicht. Ich befürchte langsam, dass Schriftstellernaturen (dazu zähle ich die Gruppe der Blogger/innen dazu) oft aus zu viel Sehnsucht bestehen, dass die Dissonanz zwischen Wille und Wirklichkeit zu groß ist, so dass sie ihre Träume zwischen den Worten auszuleben versuchen.

Geballtes, ungelebtes Potenzial. Zu wenig für mich. Zu wenig wirklich

(um dieses Wort mit aller Vorsicht zu benutzen).

Zu sagen, nun wüsste ich, was ich will, stimmt höchstens in dem Sinne des Nicht-mehr-wollen-wollen. Die Dinge einfach tun und schauen wie sie sich entwickeln.

Das Futur, der Konjunktiv, der Obtativ stehen ab jetzt unter kritischer Betrachtung!