Resteverwertung I

von MaryamSamara

Sehnsuchtsreste. So weit weg. Wer keine Sehnsucht hat, hört auf zu träumen.

1 Wir nähen die Nähe in unsere Geschichten hinein, weil ihr Stoff aus Sehnsucht besteht. 2 Jeder Einsamkeit wird Impotenz unterstellt. 3 In uns selbst finden wir all zu oft nur Bedürfnisse, Ängste, zu viel Haut. In dem anderen die Erlösung und das Geheimnis und das Wunder des Lebens. 4 Am Ende des Tages kommt es nur auf diese Lust an, Spuren zu hinterlassen. Manchmal sind es nur Samen auf einem Bettlacken und manchmal ist das besser als gar nichts. 5 Dass es nicht rechtens sei, eine Liebe auf Dankbarkeit zu gründen. So oft ich das Gefühl meiner Sozialisierung zum Fraß vorwarf, es stand immer wieder auf; und es half nichts, dass es sich ziemlich echt anfühlte….ich sehnte mich nach mehr. Aber was ist schon Sehnsucht, sagte ich [anderes als eine Sucht]? 5 Es gibt einen Schmerz: die Sehnsucht in einem anderen zu erkennen und doch zu wissen, sie nicht stillen zu können. Von der Sehnsucht verlangen, dass sie immer mit denselben Mitteln zu stillen sei. Es gibt keine Mittel, nur wir. 6. Es gibt eine Schönheit in dem Schmerz, der angesprochen wird. Wenn ich zu dir sage: ich sehe deine Sehnsucht und bedauere, dass ich sie so stehen lassen muss, [aber] ich stelle meine Sehnsucht gegen deine! Lass uns uns lieber aufrichtig wünschen, wir finden, was wir suchen, anstatt uns zu arrangieren. 5 Unsere Herzen werden tagtäglich in den Mülleimer unserer Sehnsüchte geleert. 6 Liebe S, schreibe ich am Ende des Tages, fick dich doch selbst! 7 Sie stapeln sich übereinander: Wolkenkratzer aus Worten, die nichts bedeuten. Willkürlich angeordneter Haufen, die mich nichts und niemandem näher bringen. Im besten Fall geduldete Worte. Die Worte sättigen dich nicht, noch stillen sie deinen Durst. Sie schneiden deine Sehnsucht in kleine Stücke und entfachen sie aufs neue. Stacheldrähte deiner Begierden. Was dir so groß erschien, wird hässlich und klein. Erst wenn nichts bleibt, festzuhalten, dann hast du losgelassen.