Hinterfragendes

von MaryamSamara

Das geschriebene Wort entspringt an einem anderen Ort als das gesprochene.

In der Schrift äußern wir uns konzentrierter, intuitiver, strukturierter, reduzierter, gebildeter, das sind die Vorteile. Oft aber auch pathetisch, verschnörkelter, dramatisierter, zu gewollt, lamentierend, sentimental. Das die Schattenseiten.

Kein schöner Gedanke, dass ich die gleiche Offenheit nicht an mir habe, wenn ich dem Menschen ganz begegne. Mein erklärtes Ziel von jeher, dass sich das eine dem anderen annähert. Ich habe das einige Male erlebt, mit Bekannten oder Familie, einmal mit einer von mir geschätzten Schriftstellerin, diese Diskrepanz zwischen der Nähe im geschriebenen Wort und die Offenheit der ganzen Person. Manche Menschen, können gewisse Dinge schreiben, aber nicht sagen. Und dann die, die sich nach außen hin ganz verschlossen haben und ihre Bedürfnis nach Mitteilen und Nähe nur durch den Schleier der Schrift ausleben können.

Das soll keine Verurteilung sein, nur eine Feststellung, dass es sich hier eigentlich um ein menschliches Defizit handelt, etwas das mir Angst macht, etwas dass ich nicht will, etwas dass ich auch an mir erkenne, auch wenn sich mir Menschen schnell nahe fühlen, so liegt das Unvermögen auf meiner Seite, ein quälendes Unvermögen, keine gesunde Bedürfnislosigkeit.

Wenn ich den Satz: „Dann hat sich das Leid ja gelohnt, wenn dabei so ein Text herauskommt.“, höre, sträuben sich mir die Nackenhaare. Ist das ernst gemeint oder soll das ein Trost sein? Als wäre ein gelungener Text, der durch Qualen entstanden ist, wertvoller als der innere Frieden des Schreibenden. Kollektiver Egoismus. Darauf baut unsere Zivilisation auf. Einer der Gründe, warum das Wort allein (zivilisiert) sich in meinen Ohren eher wie ein Schimpfwort anhört.