Farah Chamma- Wie kann ich glauben?

von MaryamSamara

Ich wünschte, dass jeder das in arabisch verstehen könnte! Durch die Übersetzung geht (wie meist) viel verloren und dennoch habe ich es versucht zu übersetzen, da ich Farah Chamma, eine junge Frau palästinensischen Ursprungs, die in Brasilien Asyl gefunden hat (dazu hat sie ein anderes, meiner Meinung nach geniales Gedicht geschrieben) für ihre Ausdruckskraft und auch ihre Wut bewundere. Das mit der arabischen Identität mag dem deutschen Zuschauer fremd sein, ich verstehe es bei ihr vor allem als Bestehen auf der arabischen Sprache und Tradition als Teil ihrer Identität. Sie ist eine Exildichterin. Das merkt man ihr ganz deutlich an. 

Wie kann ich glauben?
Wie kann ich glauben, wo Ihr den Glauben dem Unglauben ähnlicher gemacht habt?
Und mit ihm (dem Glauben) die Länder gespalten, und Unterdrückung ausgebreitet und die Menschen umgebracht habt und das alles im Namen der Religion und der Ergebenheit.
Ihr, die im Namen Gottes, die Kinder zu Waisen gemacht habt!
Ihr, die im Namen Gottes, gelogen, gestohlen und die Häuser zerstört habt.
Nur um in Palästen zu wohnen, die aus Steinen aus Unrecht und Sklaverei gebaut sind.

Und habt ihr eine Antwort, ihr Angesprochenen?

Wir haben es so über, die leeren Worte, Wir haben die Gedichte über und die Gesänge und Hymnen. Die Reformbewegungen, die Extremisten, die Liberalen, die Präsidenten, die Sicherheitsräte und die Manipulationen.
Wir haben es über, diejenigen die am Glauben festhalten und die, die abgefallen sind.
Wir haben es über, so über und werden es noch mehr über haben.
Denn wie sollte irgendetwas von Wert sein im Schatten der Tyrannei?

Ich saß mit mir selbst, aber fand mich nicht.
Da ich auch kolonisiert wurde. In mir gibt es ein politisches Gefängnis.
In mir gibt es eine Siedlung. In mir gibt es einen Mann, der Waffen trägt und einen anderen, der Rückzug sucht. In mir ist eine Frau, die einen Buchstaben gesprochen hat, der auf Ohren trifft, die nicht hören. In mir gibt es Flugzeuge und Explosionen. In mir gibt es Leute, die sich im Gebet vor Gott auf den Boden werfen, aber in ihnen ist es kein Herz.
In mir gibt es arabische Länder, die nur Schaden bringen und nichts gutes. Also wie soll ich glauben, wo in mir ein Feind wohnt, der sich vor nichts fürchtet?
Mein arabische Identität stellt sich gegen mich. Mein arabische Identität stellt sich gegen mich. Sie schmilzt wie Eis in meiner Brust, wie noch ein kalter Krieg.

Sie verweigert mir die Einreise und den Stempel in meinem Reispass. Sie ist so gegen mich, dass ich auf der Straße stehe und vor fremden Konsulaten in der Hoffnung, dass mich irgendjemand aufnimmt, von Offizier zu Offizier, von Botschaft zu Botschaft, von allen komplett ignoriert. Mein arabische Identität stellt sich gegen mich. Sie schmilzt wie Eis in meiner Brust, wie noch ein kalter Krieg.
Wie soll ich glauben, wo mein Arabisch-Sein eine schutzlose Frau geworden ist, die man auf die Straße geworfen hat, eine Hure.

Wir haben das Wissen verlassen, und so wurden wir verlassen.
Wir haben den Weg des Vergnügens und der Ignoranz genommen.

Ihr Leute, Lest!*- Was habt ihr gelesen?

Ihr Leute, lest!- Was habt ihr gelesen?
Ihr habt alles dem Verstand übertragen.
Wir haben das Wissen importiert und so werden es unsere Kinder tun.
Wie sollte ich glauben, wenn ich nur hoffen kann in einem anderen Land zu wohnen als in einem der unseren*? *gemeint den arabischen

Wie sollte ich glauben, wo Ihr den Glauben dem Unglauben ähnlicher gemacht habt?
Und ihr habt mit ihm die Länder gespalten, und das Unrecht ausgebreitet und die Menschen umgebracht und das alles im Namen der Religion und der Ergebenheit.
Ihr, die ihr im Namen Gottes
gar nichts erreichen werdet! Ihr, die ihr im Namen Gottes gar nichts erreichen werdet, solange ihr die Menschen unterdrückt.
Macht, was ihr wollt und ruft auf zu was ihr wollt.
Ich glaube an ihn (nach oben zeigend).
Ich glaube an ihm, wie könnte ich also an euch glauben?
So nehmt eure Dogmen.
Ich verkünde hiermit meinen Unglauben an euch.

*Zitat aus dem Koran. Nach der Erzählung kam Gabriel zu Muhammad und sagte zu ihm: Lies!