Resteverwertung IV und V

von MaryamSamara

Ausgebrannte- und Mütterreste. Noch immer nah, zu nah. Ich weiß nicht- ist der einzige Satz, den ich noch weiß und er hat nichts mit sokratischer Weisheit zu tun. Ich weiß nicht, ob es gut werden wird. Demnach belüge ich meine Kinder, weil ich sie liebe: Alles wird gut. 

1. Diese Tage, an denen wir unseren Wünschen eine Absage nach der anderen erteilen. Wenn die Wut über unsere diversen Dissonanzen uns treibt, und die Hoffnung lange schon keinen Rückenwind mehr weht. Gebrochen, ohne genau zu verstehen durch was und wen, nicht zu wissen, wie man weitermachen soll, wenn man nicht mehr kann. Nicht wissen, wie man nicht weitermachen kann. Die Scham sich so zu fühlen. Vielleicht ist sie das schlimmste. Diese Scham, die einem von allen anderen trennt. Das Wissen, dass alle alltäglichen Begegnungen unmöglich werden, wenn man offen legt, wie fertig man wirklich ist. Der November ist wirklich ein dunkler Monat, sagen die Leute dann. Und man hasst sich und die anderen, dass doch auch der August nicht heller war, man es aber nicht sagen kann, ohne die Sonne eine Lügnerin zu nennen und allen anderen vor den Kopf zu stoßen. Alle Wege, sich hoch zu ziehen, sich auszuruhen, sich an Wünschen festzuhalten, sich selbst in den Hintern zu treten, nur noch bis zum nächsten Tag zu schauen, all das greift nicht mehr. Das einzige, was du weißt, dass du nicht da sein willst, wo du gerade bist. Aber selbst wenn du es akzeptierst, dann löst sich deine Situation oder dein Gefühl zu der Situation nicht auf. Du bleibst gebrochen, so wie die Knochen deines Körpers es tun würden, wenn du akzeptierst, dass sie gebrochen sind.*

2. Wir fördern Mütter, in dem wir sie konstant überfordern, es muss doch zu schaffen sein, sagen wir ihnen, weil wir wollen, dass ihr es schafft. Nachts dürft ihr dann träumen von einem einfachen Leben, in dem ihr euch ausruhen könnt und nicht tausend Dinge gleichzeitig tun müsst. Wenn ihr dann morgens aufwacht, macht eure Betten und faltet die Schwäche bitte sorgfältig zwischen die Laken!

Und brav suche ich beständig den Rhythmus, der den Wasserspiegel meiner Grundstimmung hebt. „I really fucked it up this time, did´nt I my dear?“* , singe ich vor den Kindern von unerwarteter Fröhlichkeit gepackt , nachdem ich ihnen gesagt habe, wie wunderbar sie heute sind. „I love you too!“, sagt S. „I love you too much!“, sagt A.

*Meine Schwester J sagte etwas sehr schönes auf meinen Vergleich der inneren Gebrochenheit mit gebrochenen Knochen: „Aber auch Knochen heilen.“ Das hatte ich tatsächlich vergessen! 

* https://www.youtube.com/watch?v=lLJf9qJHR3E (Mumford and Sons, Little Lion Man)