Geheimnis.

von MaryamSamara

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Geheimnis ist Grundvoraussetzung für Entdeckung. Das Wort (ver)birgt  sowohl „Heim“ selbst als auch die Aufforderung „Geh Heim!“.

Heimgehen können wir erst, nachdem wir das Bekannte verlassen haben, vom Gewohnten verabschiedet oder ihm entrissen wurden. Der Preis ist das Eingestehen, dass nichts bleibt wie es ist, der Tausch der Sicherheit  gegen die Ungewissheit.

Irgendwann nachdem wir mutig alle möglichen Erfahrungen gemacht haben, den Ballast der inneren Mauern nach und nach auf dem Weg abgeworfen haben*, irgendwann ist es Zeit zurückzukehren. Auf dem Weg in die Heimat erfahren wir das Geheimnis, das man die ganze Zeit in sich trug ohne es zu wissen, obwohl wir es ahnten, manche flüchteten überhaupt nur aufgrund dieser Ahnung, um ihr zu entkommen. Aber wir entkommen nichts, da wir alles in uns tragen.

Zu sagen also, etwas existierte nicht in uns, weil wir es nicht wahrhaben wollen, entweder weil wir ein besseres Bild von uns haben, wir das Ego hinter uns lassen wollen, wir Angst vor dem Schmerz haben, deshalb zu sagen: „Die Gefühle da, die bin nicht ich. Deshalb darf ich sie leugnen, weg sperren, mit ihnen verfahren wie ich will!“, wird uns keinen Schritt weiter bringen, egal wie lange wir gehen.

Der Mutige ist, der sie sein lässt, auch wenn sie ihm Angst machen. Und irgendwann dann ist die Zeit des Heimkommens. Dann sehen wir in uns und sehen: Wir sind nicht (nur) die hin und her geworfenen Wellen auf dem Meer, wir sind das tiefe Meer selbst. Das  geschieht aber erst durch das Geheimnis, wenn wir ihm eine Heimat in uns geben. Und Heimat bedeutet Schutz. Geschützt sein vor dem unerlaubten Eintritt anderer.

* Ich gehe hier vom Ideal aus. Natürlich passiert es uns oft, dass wir die Mauern mit den verletzenden Erfahrungen immer höher und fester ziehen, aber dann entscheiden wir uns gegen das Leben und dann ist es egal, wohin wir gehen. Es wird immer vom Leben weg sein.