كلّ من علىها فان oder: Von der Versöhnung

von MaryamSamara

Lass uns Leben
„Typisch für sie!“, sagen sie und sie wissen nichts.
Weil sie ja nicht einmal wissen, wann sie schweigen sollten oder wie sie ihre schlechten Gedanken kontrollieren, ganz zu schweigen, von der Kunst sie in gute zu transformieren.
Diese Leute, die genau Bescheid wissen wollen, über die Absichten von x und y, um ihrer Seele den Schrecken des eigenen Anblicks zu ersparen, genau auf diese, hab ich aufgehört zu hören.Lass uns lieber Feuer machen, oben auf dem Berg, lass uns tanzen, lass uns lachen, die Tränen im Gesicht, stören uns nicht. Es ist ok.Lass uns in die Sterne gucken und ihnen zu hör´n, was sie zu erzählen haben, wie die Sicht so ist da oben. Lass uns vom Geruch der Nacht einhüllen.

Lass uns laute Lieder singen über Liebe, über Leben und dann mit den Wölfen heul´n. Es ist soweit.

Lass uns die Dunkelheit betrachten und in ihr Hoffnung sehen. Lass uns geheimen Wünschen ihren Namen geben und schau´n wie sie sich freuen.

Lass uns schwören, Schwesterherz, das wir immer weiter gehen, Wunden heilen, Weisheit sammeln, die Welt erkennen und unseren Platz darin.
Alles vergeht, weil es entstand.
Damit lass uns Frieden machen, denn darin liegt der Sinn.

Das schrieb ich im September 2009 verletzt durch einige hässliche Bemerkungen anderer, weil sich nun auch meine andere Schwester scheiden ließ und das Siegel „Die Beziehungsunfähigen“ nun endgültig an meiner Familie klebte.
Es war ein spitzer Schmerz und mein Ego, das sich unverstanden fühlte. Ich hätte damals einen Roman drüber schreiben können, warum wir nicht in unseren Ehen blieben und wie es meines Erachtens überhaupt dazu kam, dass wir fast alle viel zu früh heirateten.
Ich trug viel Sehnsucht in mir, auf der anderen Seite aber auch einen tiefe Verbundenheit zur Natur, in der ich neben dem Schmerz unfassbare Liebe und Schönheit erkannte.
Mein Bedürfnis, meine Familie und mich zu verteidigen hat sich gelegt. Am Anfang war es eher eine verbitterte, stolze Gleichgültigkeit, die jetzt mehr und mehr zu einer Bereitschaft wird, den Menschen die Freiheit zu geben, schlechte Urteile zu fällen, getragen von der Erkenntnis, dass diese Urteile nichts mit mir (oder meiner Familie) zu tun haben. Ich brauche es nicht mehr, dass mich jeder mag, für schön und klug befindet, für einen Menschen mit Potenzial.
Im Endeffekt können wir froh sein, wenn sich urteilende Menschen aus unserem Leben entfernen. Aber es ist noch mehr als das.

Ich bin überzeugt, dass wir jedes Urteil, das wir über den/die anderen fällen auch über uns selbst fällen.
Im ersten Augenblick mag es Aussehen, als versuchten wir damit uns selbst zu erheben. Fühlt man näher hin, erkennen wir, dass wir Angst davor haben, dass das unsere eigene Wahrheit sein könnte.
Ich selbst habe geurteilt über die Leute, die urteilen und ich selbst habe oft genug über die Handlungen und Geschichten anderer geurteilt. Es ist befreiend diese Bitterkeit loszuwerden. Und den Ernst (daran arbeite ich noch).
Wir* nehmen unsere Lebensgeschichte viel zu ernst. Wir sind nicht diese Geschichte. Das kann ich nun spüren und dafür bin ich sehr dankbar.

Gestern ging ich durch die Wildgrasfelder auf dem Tempelhofer Feld, über mir ein heiliger Himmel, die Wolken hingen herunter bis zum Horizont, so dass es so aussah als könnte man von dort aus an ihnen hinaufklettern. Die Sonne schien durch die schmalen Lücken zwischen ihnen. Die Felder leuchteten in einem mit grün unterlegtem Gold und der Wind fuhr durch die Halme. Über all leuchteten Wildkräuter (teils in Blüte) heraus in allen möglichen (in meinen Augen) perfekten Farben, lavendel-grau, altrosa-creme, lindgrün, vanille-weiß, lila-blau.

Hätte das Gefühl der Einsamkeit beschlossen zu Hause zu bleiben, wäre ich eins mit der Schönheit geworden, so aber teilte ich den Augenblick mit dem Gefühl meiner Unvollkommenheit und war (trotzdem) dankbar ihn erleben zu dürfen.

*der Einfach halber verallgemeinert