Eine kleine Geschichte.

von MaryamSamara

Wie geduldig er ist. Wie wenig nachtragend. Wie er immer wieder kam, ohne sich aufzudrängen. Und als ich ihn endlich empfing, einigten wir uns wortlos, keine Fragen zu stellen. Er würde nicht fragen, wo ich so lange gewesen war und ich würde keinen einzigen Satz formen, der die letzte Silbe in die Höhe zog.

Es wurde still um uns; eine aus der Vergangenheit (hart) erarbeitete Stille. Da waren keine Laute mehr, die- wie das kleine Mädchen mit dem Pferdeschwanz, das gerade so gelernt hatte freihändig auf dem Fahrrad zu fahren und vorlaut: „Schau maaal, schau maaal!“ rief- auf sich aufmerksam machen wollten.

Eine seltsam, sanfte Entschlossenheit umgab uns. Nicht aufgeben. Durchhalten. Darauf kommt es an: Sich tragen zu lassen von seinen eigenen Schwächen.

Sentimentalitäten hielten wir uns fern. So als hätten wir endlich gelernt, dass sie einem Strohfeuer gleich alles Echte verzehren.

Es ging nicht darum, etwas zu beweisen. Außer vielleicht, dass wir uns Hoffnung bewahrt hatten. Auf eine Weise waren wir wie weise Kinder, die im Laufe der Geschehnisse gelernt hatten, sich auf eine gewisse Art zurückzuziehen. Der Rückzug glich einer Bewegung, kaum beschreibbar, ein wenig wie das Zurückweichen in einem Kampf vor einem Angreifer, an irgendeiner Stelle machte man eine rätselhafte Bewegung, die einen in die  Schutzzone zog. Gerettet. Für jetzt. (Was sich keinesfalls beunruhigend anfühlte, da wir keine Fragen stellten.)

Nur die Einsamkeit überdauerte alles, aber sie überschattete die Welt nicht; sie unterlag.
Wenn wir in den Himmel schauten, war er frei. Und als es regnete, tränkten wir unsere Haut mit jedem Wassertropfen, als ob wir doppelt durstige Pflanzen wären. Der Durst nach Wasser war penetrant und unleugbar, der andere Durst war nicht greifbar, zu unbekannt, um einen Namen zu haben.