Tendenz steigend.

von MaryamSamara

Dieser Herbst in Berlin ist Nebel und Licht, und ich fühle wieder, Tendenz steigend.
Der Abschied vom Sonnenaufgang schmerzt überraschend.
Die Krähen versammeln sich, kreisen krähend über meinem Kopf. (Irgendwann habe ich den Hang zur Alliteration überwunden).

Meditation auf dem Feld, das nach Vanillewaffeln riecht, vielleicht mit einem Hauch Zimt.
Ich mag keine Waffeln, aber den Geruch der Geborgenheit liebe ich.

So viel glauben wir zu sagen, und so wenig sagen wir wirklich.
Die Welt geschieht in unserem Kopf. Je mehr ich meine Worte lösche, um so mehr Sinn ergeben sie. Vielleicht lerne ich irgendwann, das wichtige zu sagen und schweige den Rest.

Noch immer spielt mein Leben in einer Sackgasse, noch immer befürchte ich, als die Frau zu sterben, die ihr Potenzial nicht umzusetzen wusste.

Aber etwas hat sich verändert und ich hoffe, dass es nicht lediglich unter betäubender Gleichgültigkeit versteckt hat: Es ist mir nicht mehr so wichtig. Mein Ich. Und meine Geschichte.
Das Bewusstsein der eigenen Bedeutungslosigkeit und die letztendliche Trivialität aller Dinge ist tröstend.

Vielleicht werde ich nie auf „meine Leute“ treffen, nie die Erfahrung machen, wohin zu gehören. Vielleicht gehört das zu mir, dieses Gefühl der Fremdheit. Und vielleicht bin ich es, die auf die anderen (unabsichtlich zwar) herabschaut, in ihnen etwas sucht, das es nur in meinem Kopf gibt, bin ich die beziehungsunfähige und vielleicht schaffe ich es, mir diesen Zug zu verzeihen.

Aus dem Auto auf die Straßen Berlins geschaut, fühle ich wieder, Tendenz steigend,
den Wunsch, den Menschen Verbundenheit zu schenken, fühle mich mit ihnen verbunden. Wir lustigen Gestalten. Wie man jeden an seinen Eigenheiten erkennt, ohne ihn zu kennen. In Bruchteilen von Millisekunden.

Zu Weihnachten wünsche ich mir dieses Jahr Humor und eine Portion Spott, die meiner Ernsthaftigkeit so gut stehen würden.

Und was wünscht du dir?