2015 (ohne Personifizierung)

von MaryamSamara

Die Sonne scheint auf den Müll von gestern.

Müll, der entstanden ist, um das neue Jahr zu feiern und die schlechten Geister des vergangenen zu verjagen.*

Übergänge sind wichtig. Markierungen. Hier hört etwas auf und hier fängt etwas neues an.

Manche sehen das erst mit den Jahren ein (wie ich), hielten Rituale für ausgedachten Blödsinn. Sie spürten nichts dabei und deshalb verstanden sie es nicht.

Mit den Jahren wird die Notwendigkeit vereinbarter Augenblicke deutlicher, wie ein Kind, dem die Zeiteinheit einer Woche nur sehr abstrakt etwas bedeutet, geschweige denn Monate und Jahre, das erst nach und nach in die Zyklen hineinwächst, die zunächst wie verschiedene Bezeichnungen für verschiedene lange Ewigkeiten klingen, ist der Abend doch am Morgen noch unendlich lange hin, besonders, wenn man etwas freudiges erwartet und das Kind meint vor Spannung zu zerspringen, es versteht nicht, wie es sein kann, dass Dinge so lange dauern.

Von solchen Zeitempfindungen können die Erwachsenen nur träumen und es scheint, dass das Verstreichen der Zeit sich mit jedem Jahr beschleunigt. Vielleicht liegt das Verstehen vom Sinns der Übergänge mit der Erkenntnis der Beschleunigung unseres Zeitempfindens zusammen.

Nächstes Jahr wäre ich gerne in einer Hütte auf einem Berg. Ich würde das neue Jahr von dort aus willkommen heißen.

Hier ist eine Grenze, überschreite sie, etwas altes endet, etwas neues fängt an.

*Man beachte den dezenten Hinweis der Kontraproduktivität mit Müll ins neue Jahr zu starten.