Radikale Selbstliebe. Ein Werbetext

von MaryamSamara

Radikale Selbstliebe. Etwas anderes bleibt dir nicht übrig. Jeder der genug gelitten hat, weiß das.

Radikale Selbstliebe. Jede Zelle deines Körpers, deines Seins. Erst wenn du verstehst, dass du Grund genug bist, fängst du an zu leben.

Radikale Selbstliebe befreit dich von Narzissmus und Egozentrik. Erst jetzt bis du auch für andere da.

Radikale Selbstliebe ist die Heilung, die du suchst. Das Ende der Destruktivität.

Radikale Selbstliebe ist die Kraft, die dich morgens aus dem Bett holt und dich die Welt erleben lässt als würdest du sie zum ersten Mal sehen.

Radikale Selbstliebe ist es was du jeden Tag da draußen suchst. In einer Person, in einem Ding, in einem Geschehen.

Sie ist ein Zustand aus dem niemand mehr hinaus treten will, wenn er den Frieden spürt, die sie umgibt, so als könnte uns nichts geschehen in dem Zustand der Ganzheit und Lebendigkeit. Das einzige, was dir geschehen kann ist, dass du aus diesem Zustand herausgerissen wirst. Und dann klingt allein das Wort Selbstliebe wie kitschig, gequirlter Schei… Mist, macht das plötzlich alles wieder keinen Sinn, fängst du wieder in anderen zu suchen, was du in dir nicht zu finden vermagst, bist du wieder die Wartende, suchst du Erlösung, bildest dir ein, dass du etwas ändern müsstest, damit du die Liebe verdienst.

Dann möchtest du kalte Worte ins Universum brüllen, das dir keine Heimat geben will, obwohl es so groß ist und hängst noch das Elend der Welt mit hinten dran. All diejenigen, die kein Dach über dem Kopf haben, die ihre Liebsten brutal verloren haben, den Hunger, die Kriege, die Gewalt, die Ungerechtigkeit.

Radikale Selbstliebe schaut nicht weg. Sie kennt den Schmerz und je besser sie den Schmerz kennt, umso sicherer weiß sie, um die Notwendigkeit ihrer Selbst.

Es gibt keine Worte, die dich in den Zustand der radikalen Selbstliebe versetzen können. Nur Hinweisschilder. Du entscheidest, ob du ihnen folgen magst. Aber selbst, wenn du dich mit zynischer Verachtung abwendest, wird sie dir begegnen, wenn du genug gelitten hast. Selbst wenn du nicht an sie glauben kannst, lasse die Möglichkeit ihrer Existenz zu.

Nicht sie zieht den Schleier, wir sind es.
Und wir können ihn wegziehen, selbst wenn wir nicht wissen wie.

(Im Nachhinein ist mir selbst, aber auch durch die Kritik von jemand anderem klar geworden, dass der Text sich nicht genau ausdrückt. Es ist nicht die Selbstliebe, die der Zweck an sich ist, sondern eher die notwendige Basis, um die Welt wahrzunehmen und interagieren zu können. Es ist mehr als Selbstliebe gemeint, bzw ist sie in dem Sinne gemeint, dass sie die Grenzen zwischen dem Ich und dem Du verwischt, da einem im beschriebenen Zustand bewusst ist, dass das Selbst, das man da liebt, nicht man selbst ist (so paradox es klingen mag). Wenn ich jede Zelle liebe, weiß ich, dass es nicht meine Zelle ist, sondern mir nur sehr nahe. Und aus dem Ort dieser Nähe heraus, nähert sich alles andere. Deshalb ist es das Ende von Narzissmus und deshalb können wir erst von dort aus den anderen nah sein, sie lieben, uns ganz mit ihnen verbunden fühlen. Früher glaubte ich, dass das nicht stimmt. Ich spürte mich anderen mehr verbunden als mir selbst, lebte mein Liebesbedürfnis durch sie aus. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass das nicht gut geht, da diese Liebe keine Wurzeln tragen kann.

Im Prinzip meine ich mit radikaler Selbstliebe eine allesdurchdringende Liebe, die in einem ensteht und ausstrahlt.)