I wish you well. Tag I

von MaryamSamara

Das Bedürfnis sich in einer anderen Sprache verstecken zu wollen.

Jedes mal, wenn die Finger die Tastatur berühren, werden sie schwer und der Kopf müde. Die Sätze sprudeln nur, solange sie sich in Sicherheit vor Festnahme und Bloßstellung fühlen.

Immer wieder daran denken, dass wir trotz unserer angepassten Art nach Ausgleich streben. Wenn mein Umfeld ganz in weiß gehalten wäre, würde ich nach Farben schreien, wenn zu viel Ordnung um mich herum wäre, würde ich sie zerschlagen, wäre es zu still, dann finge ich an zu schreien. Wie gerne würde ich den Wert eines Buches erleben, wäre mir die Abneigung gegen die Worte aufgrund ihrer Überflutungen fremd. Ich könnte die Wirkung der Sätze in meinem ganzen Wesen spüren.

Die Absichten sind meistens gut. An der Angemessenheit der Reaktion scheitert es oft.

Es ist kein Geheimnis: Aggressive Reaktionen sind oft ein Zeichen für die Unfähigkeit einer Auseinandersetzung des Geschehenen. Angriff als beste Verteidigung der unbedingten Notwenigkeit, Verdrängung aufrecht zu halten.

Eigentlich wollte ich schreiben, wie ich hoffe, dass es dir gut geht. Ohne Erklärungen.

Beobachtung der Diskrepanz zwischen Schreibendem/Schreibender und der ganzen Person haben die Schreibende in mir gehemmt, nicht nur das Gefühl der Sprachübersättigung. Erst wenn ich ganz die bin, wie ich schreibe oder ich schreibe ganz wie ich bin, das Schreiben keine Kompensation mehr für zwischenmenschliche Unfähigkeit zu sein scheint, dann erst.

Die Schulter sind noch immer verspannt. Sie lassen mich an einen Baum denken, der mehr und mehr verholzt.

Oft denke ich, wenn wir doch aufhören könnten mit dem Problematisieren, darauf vertrauen, dass sich alles genauso ergibt, wie es sein soll, wenn wir bereit sind, wenn wir das Bestehen der Vorzeitigkeit oder des Rückgängigmachens einstellen könnten. Leben im Jetzt, du weiß schon.

Jetzt nach dem Schreiben trotz der trägen Hände und Hirns, stellt sich Erleichterung ein. Es gibt merkwürdig, gequälte Laute in meinem Kehlkopf, die mir, wenn ich sie in Meditationen herauslasse ein Gefühl von Fremdheit dem bekannten Selbst geben und es gibt immer noch Träume, in denen ich als kleines Mädchen auf einer Schwindel erregend hohen Säule auf einem vereisten, kleinen Plateau stehe, links vor mir ein halb sichtbares, wollknäueliges Wesen, das das kleine Mädchen erschrecken will und es auch tut, das Mädchen schlittert nach vorn. Ich, die Erwachsene schaue von hinten aus auf einem Felsen stehend, getrennt durch eine nicht zu überspringende Kluft zu, will das Wesen verscheuchen und das Mädchen warnen, sie anweisen still zu stehen. Ich schreie ihr meine Absichten zu. Bis wann, frag ich mich. Wie lange kann man dort still stehen und wache dann auf.

Weißt du, wenn ich an die Flüchtlinge im Schnee denke, an hungrige, frierende, verlassene Kinder und an all die, die Verzweifelten, die ich ignoriere. Letztens haben sie- in Norwegen- Modeblogger in die Textilfabriken geschickt.

In in den Netzen meiner Sozialisierung, betäubt mit etwas, das ich nicht benennen kann, da es mir zu nahe ist.