Neuanfang II

von MaryamSamara

Manche Menschen sagen „Wir sind (doch) alle gleich“, weil sie Angst vor dem Fremden haben.

Verschieden sein ist für sie negativ besetzt und sie versuchen ihre Angst zu zudecken mit dem eigentlich wahren Satz um unsere Gleichheit.

Und so suchen sie immer sofort den größten gemeinsamen Nenner, um sich nicht zu beunruhigen, der andere wird angeglichen, seine Unterschiede ignoriert, um die Seifenblase der Gleichheit aufrecht halten zu können.

Diese Menschen verstehen nicht, dass gleich-sein nichts mit äußerlicher Ähnlichkeit zu tun hat und sich auf unsere Essenz bezieht.

Es gibt keine zwei Menschen auf dieser Welt, die was ihre Wahrnehmung der Welt, Lebenserfahrung, sozio-kulturelle Prägung, Erziehung, etc.  ganz gleich wären und das dem Versuch zum Trotz jedem Fleckchen der Welt Coca Cola als Lebensgefühl zu verkaufen und es zu einer noch billigeren Version weiß-amerikanischer Seifenopernserien zu machen.

Aber der Trend geht dorthin, dass wir unseren traditionellen Kleidungen und Werte, Vorstellungen ablegen und alle in derselben Cowboy Version herum laufen.

Die westliche Art der Kleidung ist die Norm von der sich alles andere als bunt und exotisch abhebt.

Ein Araber in einer Jalabiya (ein kleidähnliches Gewand) herumzulaufen, fällt mittlerweile in vielen arabischen Städten schon auf, von Europa zu schweigen.

Aber ein Europäer in Jalabiya, da geht dann die absolute Verwirrung los. Warum trägt er es? Was bedeutet das für ihn? Ist er Muslim geworden? Ist er radikal? Zum Glück hat er keinen Rucksack dabei! Scheiße, er hat einen Rucksack dabei!! Trägt er es aus einer Antihaltung westlichen Lebensstils heraus? Will er unbedingt auffallen oder sogar provozieren? Ist er in ein arabisches Mädchen verliebt und will sie beeindrucken?….

Dass diese Teile vielleicht einfach nur sehr bequem und luftig sind, darauf kommt keiner.

Das ist nur ein Beispiel.

Auch im interreligiösen Dialog gibt es eine Tendenz religiöse Unterschiede schnell den Gemeinsamkeiten zu opfern, so als stören Unterschiede.

Selbst hier erkennt man, dass ein Unterschied nicht als Bereicherung sondern als Problem betrachtet  wird.

Wir sind alle gleich. Aber wir kommen aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen, gehen verschiedene Wege, und das ist ein Grund für Interesse und Begeisterung, wenn man den ersten Satz richtig verstanden hat.

Vor allem aber im mehrheitlich-gesellschaftlichen Umgang mit Unterschieden wird diese Angst vor dem Fremden deutlich:

„Die sollen sich gefälligst anpassen!“ Immer klagend bis aggressiv vorgetragen.

Das wir dann oft richtig absurd, wenn zum Beispiel eine deutsch, konvertierte(r) Muslim(a) nicht die Hand geben möchte. An was für eine Form des Deutschsein sollen sie sich denn anpassen?

„Die sollen zurückgehen, wo die hergekommen sind!“

Menschen mit Humor fragen dann, ob damit Meyenburg bei Prignitz gemeint sei.

Hier wollen Menschen, dass die anderen Menschen wie sie selbst aussehen, sich wie sie selbst benehmen, reden, ansonsten sind diese Schmarotzer, Eindringlinge, Feinde…

Diese Menschen glauben nicht, dass wir alle gleich/gleich viel wert sind. Und sie wollen Dinge nicht differenzierter sehen, sind blind für Zusammenhänge und taub für Zusammenhänge.

Sie wehren sich gegen Globalisierung, indem sie die Grenzen immer enger machen. Ihre Welt ist eine Scheibe von der ihnen (zufällig?) das beste Stück gehört.

(Ich meine damit nicht, dass jemand, der sich fragt, was für Auswirkungen die Zahl an Flüchtlingen für uns hat und wir wir diese Herausforderung meistern wollen, dazu gehört. Oft aber wird auch dieses Argument, das Argument gegen das Nazi Totschlagargument nur als Alibi benutzt und darunter findet man tatsächlich ziemlich schnell all die alten Ressentiments).