Normalität und Klarheit

von MaryamSamara

Der Begriff Normalität ist in dem Sinne problematisch ist, dass er nichts über die Qualität seiner Inhalte aussagt, sondern eine quantitative Aussage trifft:

Die Mehrheit ist so und so. Die Norm wird gemessen an Häufigkeit. (Das wissen wir*)

Sind also die meisten Menschen krank, wäre krank-sein die Norm und Gesundheit unnormal.

Nur unter diesem Aspekt verstehe ich die Glorifizierungen des Verrückt-seins, siehe:

Alice im Wunderland, diverse lustige Sprüche des Tages, diverse Lyriks von Pop-songs.

Im Geist ver-rückt/schrill sein, als Auflehnung in einer normierten Gesellschaft, deren Geist auch ver-rückt ist, aber auf eine sehr viel langweiligere und konforme Art und Weise.

Und ein wenig Spinnerei bringt Lebendigkeit hervor und zersprengt starre Konstrukte in die wir hineinwachsen, so dass wir nicht mehr verstehen, was für Möglichkeiten des Erlebens wir haben können.

Oft ist diese Art von gewolltem, schrillen Anders-sein ziemlich egozentrisch*2.  Ein weiteres Schlagwort unserer Zeit. (Mit dem sowohl beschrieben als auch geschlagen wird).

Es gibt eine alte arabische Legende, wonach ein muslimischer Heiliger in einem von einem Tyrannen beherrschten Land wie ein Verrückter durch die Straßen galoppierte. Dadurch schütze er sich und es ermöglichte ihm, mit den Menschen  in Kontakt zu treten und sie indirekt an Dinge zu erinnern, die sie im Alltag in einer Atmosphäre von Angst und Unterdrückung vergessen hatten.

Vielleicht entschied er sich, im Sinne eines Hofnarr verrückt zu werden und spielte die Rolle nicht nur. Vielleicht ist es irrelevant, für was für eine Persönlichkeit entscheidest, solange du in Verbindung zu deiner Essenz stehst.

Und wahrscheinlich bist du näher an deiner Essenz, wenn du den Drang loslassen kannst, eine bestimmte, kontinuierliche Persönlichkeit zu sein über die du dich identifiziert.

(So oder so:)

Der Wunsch sollte Klarheit sein.

Klar in einer Zeit der Unklarheit. Klar in einer Zeit der Klarheit.

Sich weder abheben, noch anpassen.

 

 

 

 

*1Mit „wir“ meine ich eine unbestimmte Anzahl an Menschen, die über das, was in ihnen in ihrem Leben begegnet reflektieren.

*2 Und da beginnt es merkwürdig zu werden, denn eine zunehmende Egozentrik wird mehr und mehr zur Normalität in unserer Gesellschaft und so mit auch der Wunsch „crazy, anders, Einhorn“ zu sein…

(Mit ist bewusst, dass es schwierig ist über „die“ Gesellschaft zu reden, ich meine es im Sinne eines  (westlichen  oder wie man auch gerne sagt: neoliberalen Zeitgeistes)