Mary am Meer

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Wenn das Leuchten des Mondes nicht wäre. Manchmalbrauchen wir Umwege, um gewisseDingeannehmen zu können. Die Erkenntnis, dass er auf sie hinweist, die Sonne, und auf es, das Licht. Und er leuchtet in Dunkelheit. Er weist über sich hinaus. Die Gezeiten sind ihm ergeben und manche Menschen schöpfen Hoffnung inmitten der Nacht. Kaltes Licht, das die […]

Bekannte. Bekenntnisse.

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Von der Leere gestillt,

allen möglichen Ängsten,

verfolgten Vorstellungen, die eigentlich uns verfolgen,

Wir kennen sie!!

Wir fürchten nicht das Furchtbare.

Das Unbekannte fürchten wir.

So kommt es. Dass wir uns vor Erfolg fürchten, vor Glück, vor Liebe….

Der (mehr oder weniger unbewusste) Widerwillen uns abzustillen. Den Schritt zu gehen. Widerstand in uns, eine dunkle Revolution, die es nicht hergeben will: “Mein Schatzzzz!”.

Etwas hält fest an der Wut…an der Trauer…dem Unglück.. der Einsamkeit. Denn sie ist meine, die kenne ich, die kenne ich gut. Und ich weiß nicht, was passieren wird, wenn ich loslasse. Wer bin ich dann? Werde ich mich überhaupt noch erkennen?

Und so kommt es, dass oft viel Zeit vergeht und wir den Wunsch, glücklich zu sein zu einer halben Falschaussage machen, einem stillenden Alibi. Und wir sind gut damit beschäftigt, die Jahre, mit inneren Kämpfen. Bis jemand in uns endlich gewonnen hat. Und jemand in uns verloren.

Warum ist es oft so, dass unser dunkles Monster erst gewinnen muss bis wir keinen Lebensraum für uns mehr haben, keine Luft zum atmen, keine Hoffnung mehr übrig haben, gebrochen, todkrank, verzweifelt bis wir bereit sind, alles dafür zu tun, die Dissonanz in uns aufzulösen.

Ich habe angefangen an mich zu glauben, als es überhaupt keinen Grund mehr dafür gab, außer das Wissen der unbedingten Notwendigkeit.

Ich wünsche mir so sehr für andere, dass sie vorher damit anfangen könnten! Warum muss es so schwer sein?, frage ich. Warum diese Paradoxien, die Erkenntnis der Leichtigkeit nachdem man erst gänzlich von der Schwere okkupiert wurde?

Ich liebe und akzeptiere mich selbst, obwohl ich einiges noch nicht akzeptieren kann.

 

 

Akzeptanz: Obwohl

Obwohl ich nicht so bin, wie ich es mir wünsche/glaube sein zu sollen, meine Lebenssituation nicht so ist, wie ich es mir wünsche,
liebe und akzeptiere ich mich selbst.

Obwohl ist die Brücke zwischen den traurigen, wütenden, hoffnungslosen, leeren, vorwurfsvollen, sehnsuchtsvollen Orten in uns und allzu positiven Affirmationen, die sich noch zu weit von unserer empfundenen Realität befinden.

Obwohl ist elementar. Ich bin sehr froh es gefunden zu haben und dankbar.
Und ich sage hundertmal Obwohl und wundere mich, wie viele Obwohls in mir wohnten.
Jedes einzelne Obwohl löst sich durch sein Sagen auf. Es löst sich ein. Es verwandelt sich in Vergebung. Es öffnet den Platz für alle Veränderungen, die ich in mein Leben lassen möchte.
Obwohl: <3

Wir sind, was wir sagen, wie wir sind.

Ein ganz wichtiger Gedanke: Materie reagiert auf Ansprache.

Wir werden, was wir denken, sagen, schreiben. Das ist der einzige Weg aus dem Determinismus heraus. Das ist unsere Möglichkeit zur Selbstbestimmung. Deshalb ist eine nihilistische Einstellung so verheerend. Sie verneint nur und stärkt dadurch das Negierte.

Ich zweifle zwar an der radikalen Auffassung, dass unser Unterbewusstsein und/oder das Universum kein Nein verstehen würden, aber dennoch hat eine positive Formulierung mehr Kraft, denn sie ist konkreter und klarer als das Verneinte.

Meine noch so genauen Formulierungen darüber wie es mir geht, die Beschreibungen der Leere und der Einsamkeit, sie haben mich nicht retten können. Ich habe mit ihnen lediglich meine Leere multipliziert.

Das Schön-reden ist nie mein Ding gewesen, ich liebe die Ehrlichkeit, das Echte dafür zu sehr. Aber darum geht es hier auch gar nicht. Es geht darum, die Echtheit der negativen Gefühle in Frage zu stellen. Es geht nicht darum sie zu verneinen (wichtiger Unterschied!).

Es geht darum, ihnen die (Über)Macht zu entziehen.

Wenn wir eine Pflanze mit freundlichen Worte anreden, dann wächst und gedeiht sie. Warum gestehen wir uns nicht dasselbe zu? Materie reagiert auf Ansprache, auch auf Nonverbale. Deshalb geht es uns in einer schönen Umgebung gut und in einer unschönen schlecht.

Ich möchte mehr von den Dingen schreiben, die ich mir wünsche, anstatt von dem, was ich fühle, damit die Gefühle meinen Wünschen ähnlicher werden und sich meine Wünsche trauen Form anzunehmen, konkreter zu werden.

 

30 Tage Challenge, Selbstheilung

Seit zwei Tagen arbeite ich mit der Meditation von Louise L. Hay. Mein negativ-kritischer Verstand hielt den Mund. Ich muss nicht alles glauben, was sie sagt, nicht alles gut heißen. Ich nehme einfach an, was mit mir in Resonanz geht und das ist genug. Ich habe aufgehört, die Stimme lächerlich zu machen. Kurz: Ich habe mich darauf eingelassen, lasse mich darauf ein. 

Jeden Tag höre und arbeite ich diese Übung von Louise L. Hay.

Es wäre toll, wenn sich noch anderen finden würden, die es einfach einmal probieren würden. 30 Tage vor dem einschlafen. Ohne Druck als eine Art empirisches Experiment. Was passiert mit mir? Ändert sich etwas in mir? Ändert sich meine Welt?

Es wäre schön, wenn ihr davon berichten würdet!

Natürlich könnt ihr auch eine andere Mediation nehmen. Wichtig sind die 30 Tage und sich darauf einzulassen.

https://www.youtube.com/watch?v=stDPII1q3Go (für ein heiles Herz)

https://www.youtube.com/watch?v=NICXu07ajmg (für Wohlstand und Erfolg)

https://www.youtube.com/watch?v=NICXu07ajmg (für Selbstbewusstsein)

https://www.youtube.com/watch?v=uh74H2UFrzc&feature=related (für die Wunschfigur)

its a new dawn

Versuche

Die Frau führt eine dunkle Wolke an einer Leine. Sie lässt die Leine jetzt los.

Farah Chamma- Wie kann ich glauben?

Ich wünschte, dass jeder das in arabisch verstehen könnte! Durch die Übersetzung geht (wie meist) viel verloren und dennoch habe ich es versucht zu übersetzen, da ich Farah Chamma, eine junge Frau palästinensischen Ursprungs, die in Brasilien Asyl gefunden hat (dazu hat sie ein anderes, meiner Meinung nach geniales Gedicht geschrieben) für ihre Ausdruckskraft und auch ihre Wut bewundere. Das mit der arabischen Identität mag dem deutschen Zuschauer fremd sein, ich verstehe es bei ihr vor allem als Bestehen auf der arabischen Sprache und Tradition als Teil ihrer Identität. Sie ist eine Exildichterin. Das merkt man ihr ganz deutlich an. 

Wie kann ich glauben?
Wie kann ich glauben, wo Ihr den Glauben dem Unglauben ähnlicher gemacht habt?
Und mit ihm (dem Glauben) die Länder gespalten, und Unterdrückung ausgebreitet und die Menschen umgebracht habt und das alles im Namen der Religion und der Ergebenheit.
Ihr, die im Namen Gottes, die Kinder zu Waisen gemacht habt!
Ihr, die im Namen Gottes, gelogen, gestohlen und die Häuser zerstört habt.
Nur um in Palästen zu wohnen, die aus Steinen aus Unrecht und Sklaverei gebaut sind.

Und habt ihr eine Antwort, ihr Angesprochenen?

Wir haben es so über, die leeren Worte, Wir haben die Gedichte über und die Gesänge und Hymnen. Die Reformbewegungen, die Extremisten, die Liberalen, die Präsidenten, die Sicherheitsräte und die Manipulationen.
Wir haben es über, diejenigen die am Glauben festhalten und die, die abgefallen sind.
Wir haben es über, so über und werden es noch mehr über haben.
Denn wie sollte irgendetwas von Wert sein im Schatten der Tyrannei?

Ich saß mit mir selbst, aber fand mich nicht.
Da ich auch kolonisiert wurde. In mir gibt es ein politisches Gefängnis.
In mir gibt es eine Siedlung. In mir gibt es einen Mann, der Waffen trägt und einen anderen, der Rückzug sucht. In mir ist eine Frau, die einen Buchstaben gesprochen hat, der auf Ohren trifft, die nicht hören. In mir gibt es Flugzeuge und Explosionen. In mir gibt es Leute, die sich im Gebet vor Gott auf den Boden werfen, aber in ihnen ist es kein Herz.
In mir gibt es arabische Länder, die nur Schaden bringen und nichts gutes. Also wie soll ich glauben, wo in mir ein Feind wohnt, der sich vor nichts fürchtet?
Mein arabische Identität stellt sich gegen mich. Mein arabische Identität stellt sich gegen mich. Sie schmilzt wie Eis in meiner Brust, wie noch ein kalter Krieg.

Sie verweigert mir die Einreise und den Stempel in meinem Reispass. Sie ist so gegen mich, dass ich auf der Straße stehe und vor fremden Konsulaten in der Hoffnung, dass mich irgendjemand aufnimmt, von Offizier zu Offizier, von Botschaft zu Botschaft, von allen komplett ignoriert. Mein arabische Identität stellt sich gegen mich. Sie schmilzt wie Eis in meiner Brust, wie noch ein kalter Krieg.
Wie soll ich glauben, wo mein Arabisch-Sein eine schutzlose Frau geworden ist, die man auf die Straße geworfen hat, eine Hure.

Wir haben das Wissen verlassen, und so wurden wir verlassen.
Wir haben den Weg des Vergnügens und der Ignoranz genommen.

Ihr Leute, Lest!*- Was habt ihr gelesen?

Ihr Leute, lest!- Was habt ihr gelesen?
Ihr habt alles dem Verstand übertragen.
Wir haben das Wissen importiert und so werden es unsere Kinder tun.
Wie sollte ich glauben, wenn ich nur hoffen kann in einem anderen Land zu wohnen als in einem der unseren*? *gemeint den arabischen

Wie sollte ich glauben, wo Ihr den Glauben dem Unglauben ähnlicher gemacht habt?
Und ihr habt mit ihm die Länder gespalten, und das Unrecht ausgebreitet und die Menschen umgebracht und das alles im Namen der Religion und der Ergebenheit.
Ihr, die ihr im Namen Gottes
gar nichts erreichen werdet! Ihr, die ihr im Namen Gottes gar nichts erreichen werdet, solange ihr die Menschen unterdrückt.
Macht, was ihr wollt und ruft auf zu was ihr wollt.
Ich glaube an ihn (nach oben zeigend).
Ich glaube an ihm, wie könnte ich also an euch glauben?
So nehmt eure Dogmen.
Ich verkünde hiermit meinen Unglauben an euch.

*Zitat aus dem Koran. Nach der Erzählung kam Gabriel zu Muhammad und sagte zu ihm: Lies!

Resteverwertung IV und V

Ausgebrannte- und Mütterreste. Noch immer nah, zu nah. Ich weiß nicht- ist der einzige Satz, den ich noch weiß und er hat nichts mit sokratischer Weisheit zu tun. Ich weiß nicht, ob es gut werden wird. Demnach belüge ich meine Kinder, weil ich sie liebe: Alles wird gut. 

1. Diese Tage, an denen wir unseren Wünschen eine Absage nach der anderen erteilen. Wenn die Wut über unsere diversen Dissonanzen uns treibt, und die Hoffnung lange schon keinen Rückenwind mehr weht. Gebrochen, ohne genau zu verstehen durch was und wen, nicht zu wissen, wie man weitermachen soll, wenn man nicht mehr kann. Nicht wissen, wie man nicht weitermachen kann. Die Scham sich so zu fühlen. Vielleicht ist sie das schlimmste. Diese Scham, die einem von allen anderen trennt. Das Wissen, dass alle alltäglichen Begegnungen unmöglich werden, wenn man offen legt, wie fertig man wirklich ist. Der November ist wirklich ein dunkler Monat, sagen die Leute dann. Und man hasst sich und die anderen, dass doch auch der August nicht heller war, man es aber nicht sagen kann, ohne die Sonne eine Lügnerin zu nennen und allen anderen vor den Kopf zu stoßen. Alle Wege, sich hoch zu ziehen, sich auszuruhen, sich an Wünschen festzuhalten, sich selbst in den Hintern zu treten, nur noch bis zum nächsten Tag zu schauen, all das greift nicht mehr. Das einzige, was du weißt, dass du nicht da sein willst, wo du gerade bist. Aber selbst wenn du es akzeptierst, dann löst sich deine Situation oder dein Gefühl zu der Situation nicht auf. Du bleibst gebrochen, so wie die Knochen deines Körpers es tun würden, wenn du akzeptierst, dass sie gebrochen sind.*

2. Wir fördern Mütter, in dem wir sie konstant überfordern, es muss doch zu schaffen sein, sagen wir ihnen, weil wir wollen, dass ihr es schafft. Nachts dürft ihr dann träumen von einem einfachen Leben, in dem ihr euch ausruhen könnt und nicht tausend Dinge gleichzeitig tun müsst. Wenn ihr dann morgens aufwacht, macht eure Betten und faltet die Schwäche bitte sorgfältig zwischen die Laken!

Und brav suche ich beständig den Rhythmus, der den Wasserspiegel meiner Grundstimmung hebt. “I really fucked it up this time, did´nt I my dear?”* , singe ich vor den Kindern von unerwarteter Fröhlichkeit gepackt , nachdem ich ihnen gesagt habe, wie wunderbar sie heute sind. “I love you too!”, sagt S. “I love you too much!”, sagt A.

*Meine Schwester J sagte etwas sehr schönes auf meinen Vergleich der inneren Gebrochenheit mit gebrochenen Knochen: “Aber auch Knochen heilen.” Das hatte ich tatsächlich vergessen! 

* https://www.youtube.com/watch?v=lLJf9qJHR3E (Mumford and Sons, Little Lion Man)

Widerstand

Schöne Dinge werden gehalten und die hässlichen ausgehalten, allerhöchstens.

 

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Abwasch

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Vergangenheit, defekt.

Abschiede fallen uns schwer aus Angst vor unserem eigenen Vergessen?

Ich erzähle meine Geschichte als wäre sie eine. Meine Vergangenheit könnte eine beliebige Geschichte in einem Buch sein. Nein. Bücher sind mir näher.

Ich habe meine Geschichte gelernt wie meinen Namen. Ich habe bestimmte Ereignisse festgehalten, so dass ich sie erzählen kann.

Sie berührt mich nicht und ich kann mich nicht in ihr ausruhen. Sie hat mir kein Aufenthaltsrecht/Besuchsrecht erteilt und schon lange ihre Unabhängigkeit von mir erklärt. Deshalb wurde ich zur Fremdheit verurteilt. Wer bin ich, wenn ich mich im Geschehen verliere?

Jemand ohne Vergangenheit kennt keine Zukunft. Ich habe Angst, ganz zu vergessen. Es ist eine Notwendigkeit, dass mir jemand meine Begrenzung zeigt. Ich laufe aus.

 

Resteverwertung III

Traumreste Der Traum zieht und ruft und weist immer wieder über uns hinaus. Keine Frage, das Ich des Traumes ist weiser als wir. Aber wer ist dann dieses Ich und wer sind wir? Diese ewige aufgrund ihrer Unbeantwortbarkeit belanglos anmutende Frage nach der Identität.

1 Die Erkenntnis, nach der ihre Negierung erfolgt. Ich sehe ein Paket und erkenne: Das Paket wird definiert durch seine abwesenden Bestandteile. Die wichtigsten Pakete kommen in ihrer eigenen Abwesenheit, in eigener Leere….

2 Wir sitzen bei Jan in der Küche und ich sage: Ich habe die Uhr gesehen, da fehlen Stunden. Lass mich raten, du hast sie Kindern zum spielen gegeben und sie haben einige Stunden abgekratzt.

3 Aus schwitzigem Schlaf aufgewacht, geballte Schul-Versagungs-Prüfungs-Tagungs-Träume die ganze Nacht, durchbrochen von vorsichtigen versuchen männlicher Hände auf meinem Hintern und im Traum tue ich so, als wachte ich auf.

4 Ein Klassenkamerad aus Grundschulzeiten [Daniel B] lässt mich unterschreiben, dass das Kofferanhängerschild benutzerfreundlich und gut konzipiert war. Zuerst glaube ich, ich sollte es zum zweiten mal bezahlen, drei euro, aber dann nein, nur unterschreiben…

5 Ich träume die Nacht durch von Ermordeten und Fluchten, von unsicheren Räumen in unsichere Räume. Ich versuche die Türen zu schließen. “Hier gehen die Türen nicht zu.” , sagt die Nachbarin. “Stirbt man dann wenigsten nur einmal?”, frage ich, aber erhalte keine Antwort.

6 Mein Traumgesicht präsentierte sich mir im Profil. Es war, als sähe ich mich seitlich in einem Spiegel, vor dem ich gerade stehe. Aber da ist kein Spiegel, nur ein Spiegelbild meines Profils. Ich bin schön und es wunderte mich. Ich gehe über die verwunderliche Erkenntnis meiner Schönheit hinweg und erzählte Träume im Traum. Böden entfalten sich.

7 “Sollen wir etwas verstecken für später, für alle, damit noch eine Reserve da ist, falls es länger dauert mit der Rettung?”, fragt ein kleiner Junge. Ich überlege kurz und schüttele den Kopf: “Nein, wir teilen es so gut auf wie wir können. Es soll nichts versteckt werden. Dadurch entsteht nur Misstrauen!”

8 Wir begruben einige Freiwillige zum Winterschlaf in der Blumenerde. Die Gesichter ließen wir zur Hälfte frei, so dass sie noch atmen konnten.

9 Ein alter, ungewaschener Mathelehrer, der mir nachstellt… “Du hast gerade Gott ohne Gott erklärt!”, verkündet er laut und jedem begeistert:” Das hat noch niemand geschafft, nun ist mir die Bedeutung der Moral als Ausdruck unseres menschlichen Strebens nach Vollkommenheit endlich verständlich!” Er ist auch Maler. Ich sage: “ Das habe ich in ihrem Unterricht gelernt.” Und weiß nicht, ob ich Mathe meinte oder Malerei.

10 Gestern rette ich zwei Meerschweinchen das Leben, die in meiner Badewanne vergessen wurden und sich mehrere Stunden unter Wasser abstrampelten. Ihr ganzes Fell triefte, als ich sie heraushob und sie auf den trockenen Badewannenvorleger legte.

 

Hinterfragendes

Das geschriebene Wort entspringt an einem anderen Ort als das gesprochene.

In der Schrift äußern wir uns konzentrierter, intuitiver, strukturierter, reduzierter, gebildeter, das sind die Vorteile. Oft aber auch pathetisch, verschnörkelter, dramatisierter, zu gewollt, lamentierend, sentimental. Das die Schattenseiten.

Kein schöner Gedanke, dass ich die gleiche Offenheit nicht an mir habe, wenn ich dem Menschen ganz begegne. Mein erklärtes Ziel von jeher, dass sich das eine dem anderen annähert. Ich habe das einige Male erlebt, mit Bekannten oder Familie, einmal mit einer von mir geschätzten Schriftstellerin, diese Diskrepanz zwischen der Nähe im geschriebenen Wort und die Offenheit der ganzen Person. Manche Menschen, können gewisse Dinge schreiben, aber nicht sagen. Und dann die, die sich nach außen hin ganz verschlossen haben und ihre Bedürfnis nach Mitteilen und Nähe nur durch den Schleier der Schrift ausleben können.

Das soll keine Verurteilung sein, nur eine Feststellung, dass es sich hier eigentlich um ein menschliches Defizit handelt, etwas das mir Angst macht, etwas dass ich nicht will, etwas dass ich auch an mir erkenne, auch wenn sich mir Menschen schnell nahe fühlen, so liegt das Unvermögen auf meiner Seite, ein quälendes Unvermögen, keine gesunde Bedürfnislosigkeit.

Wenn ich den Satz: “Dann hat sich das Leid ja gelohnt, wenn dabei so ein Text herauskommt.”, höre, sträuben sich mir die Nackenhaare. Ist das ernst gemeint oder soll das ein Trost sein? Als wäre ein gelungener Text, der durch Qualen entstanden ist, wertvoller als der innere Frieden des Schreibenden. Kollektiver Egoismus. Darauf baut unsere Zivilisation auf. Einer der Gründe, warum das Wort allein (zivilisiert) sich in meinen Ohren eher wie ein Schimpfwort anhört.

 

 

Resteverwertung II

Schreibgeschützte Reste, einiges allgemein gültig, anderes hat sein Verfallsdatum überschritten oder ist gerade außer Kraft gesetzt.

1 Raus in die Welt, die du versuchst schreibend und beschreibend zu fassen! Ein Abenteuer fragt nicht nach seinem Namen, es verreist. 2 Irgendwie befinden wir uns immer zwischen Stein und Sandwerdung. Und die Büsche der Wüste sind Tütenfänger geworden. Wo würden die Tüten hinwehen, wenn es keine Büsche gäbe? An welchem Grenzzäunen würden sie hängenbleiben? Die Büsche mit ihren bunten Tüten wehen im Wind der Wüste. Wenn es Absicht gewesen wäre, dann wäre es Kunst. 3 Lange schon habe ich für niemanden mehr geschrieben. Ich verhänge die Spiegel und vermisse sie nicht. Mein Kopf entleert sich jeden Tag von selbst, mehrere Male. Rationaler Durchfall, die Diagnose. 4 Der Schriftsteller als gestorbener Schwan. Das Schreiben, um sich als Subjekt loszuwerden. Ich belächle diese Ideen, ich bewundere sie. Da werden Dinge versucht, wird Sprache benutzt als eine Möglichkeit, sich frei von uns selbst zu machen. 5 Und doch steht am Ende jeder Rede, ein Wunsch nach Stillung. 6 Fragen ohne Fragezeichen.

 

Resteverwertung I

Sehnsuchtsreste. So weit weg. Wer keine Sehnsucht hat, hört auf zu träumen.

1 Wir nähen die Nähe in unsere Geschichten hinein, weil ihr Stoff aus Sehnsucht besteht. 2 Jeder Einsamkeit wird Impotenz unterstellt. 3 In uns selbst finden wir all zu oft nur Bedürfnisse, Ängste, zu viel Haut. In dem anderen die Erlösung und das Geheimnis und das Wunder des Lebens. 4 Am Ende des Tages kommt es nur auf diese Lust an, Spuren zu hinterlassen. Manchmal sind es nur Samen auf einem Bettlacken und manchmal ist das besser als gar nichts. 5 Dass es nicht rechtens sei, eine Liebe auf Dankbarkeit zu gründen. So oft ich das Gefühl meiner Sozialisierung zum Fraß vorwarf, es stand immer wieder auf; und es half nichts, dass es sich ziemlich echt anfühlte….ich sehnte mich nach mehr. Aber was ist schon Sehnsucht, sagte ich [anderes als eine Sucht]? 5 Es gibt einen Schmerz: die Sehnsucht in einem anderen zu erkennen und doch zu wissen, sie nicht stillen zu können. Von der Sehnsucht verlangen, dass sie immer mit denselben Mitteln zu stillen sei. Es gibt keine Mittel, nur wir. 6. Es gibt eine Schönheit in dem Schmerz, der angesprochen wird. Wenn ich zu dir sage: ich sehe deine Sehnsucht und bedauere, dass ich sie so stehen lassen muss, [aber] ich stelle meine Sehnsucht gegen deine! Lass uns uns lieber aufrichtig wünschen, wir finden, was wir suchen, anstatt uns zu arrangieren. 5 Unsere Herzen werden tagtäglich in den Mülleimer unserer Sehnsüchte geleert. 6 Liebe S, schreibe ich am Ende des Tages, fick dich doch selbst! 7 Sie stapeln sich übereinander: Wolkenkratzer aus Worten, die nichts bedeuten. Willkürlich angeordneter Haufen, die mich nichts und niemandem näher bringen. Im besten Fall geduldete Worte. Die Worte sättigen dich nicht, noch stillen sie deinen Durst. Sie schneiden deine Sehnsucht in kleine Stücke und entfachen sie aufs neue. Stacheldrähte deiner Begierden. Was dir so groß erschien, wird hässlich und klein. Erst wenn nichts bleibt, festzuhalten, dann hast du losgelassen.

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