Mary am Meer

Der Schöpfer aller Universen sprach, Rumi

„Der Schöpfer aller Universen sprach,

‚Ich bin mit dem, der Geduld hat.

‚
Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens.


Tief in dir nagt der Zweifel, darum wenden sich die Dinge nicht zum Guten.


Löse diesen Zweifel vollständig auf.


Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens.


Es gibt sie, die wunderbare Welt des vom ewigen Lichts erfüllt seins.


Der Weise in dir, das Licht, ist der einzige Vertraute in dieser Welt.


Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens.“

*Dschalal ad-Din Muhammad Rumi*
1207-1273

Stimmen auf dem Weg zur Post

Nein. Es machte ihr keinen Spaß den Weg gehen zu müssen, um an ihr Ziel zu kommen. Wenn sie ehrlich war, dann wollte sie gleich dort sein. Die Schönheit der langsamen Entfaltung war zu sehr mit Mühe verbunden und sie war eigentlich immer noch zu müde für das Leben.

Manchmal kam es ihr vor als sei sie eine Leichtigkeit und Mühelosigkeit aus einem vorigen Leben gewohnt gewesen und die Last der Materie drückte sie nun mit voranschreitenden Jahren mehr und mehr.

So als würde sie die Festigkeit wie ein Magnet anziehen und das wiederum hatte paradoxerweise etwas mit der Leichtigkeit ihrer Seele zu tun, die sonst davonfliegen würde, wenn sie es nicht schaffte, in dieser merkwürdigen Welt zu verankern.

Sie wünschte sich tiefen Frieden, oder zumindest das Gefühl von Erleichterung: Jetzt, Sofort.

Und obwohl sie verstand, dass dieser Frieden immer nur im jetzigen Moment erfahrbar war, war ihr bewusst, dass das „Jetzt, sofort!“ nicht der richtige Ansatz war, denn er beinhaltete den Widerstand gegen die Tatsache, dass sie noch auf dem Weg war und nicht am Ziel.

„Wenn ich doch nur akzeptieren könnte, dass ich nicht akzeptieren kann.

„Und manchmal gelang ihr mit dieser Gedankenbrücke die Akzeptanz des Weges inklusive ihrem Wunsch, schon am Ziel zu sein.

Und wenn sie den Weg nach irgendwohin ging und bemerkte, dass sie in Gedanken schon mindestens 100 Meter voraus war, dann erinenrte sie sich:

Es gibt nichts als diesen Moment. Jetzt. Hier. Es gibt nur dieses hier. Alles andere ist in deinem Kopf und ob du diesen Moment magst oder nicht ist deine Entscheidung, aber es würde dir vieles einfacher machen, wenn du dich entscheidest, den Moment zu mögen, selbst wenn du frierst, aufs Klo musst oder dir langweilig ist.

Und dann mischte sich meist eine Stimme ein, die sie Erzieherstimme nannte, die ihr schon seit Jahren versuchte Dinge beizubringen, mit wie sie fand eher bescheidenem Erfolg:

Andere Menschen erleben wirklich schlimme Sachen, du hast überhaupt keinen Grund, dich zu beschweren.

Aber anstatt Dankbarkeit überkam sie an der Stelle immer ein Gefühl des Grauens und der Trauer für diese anderen Menschen und der Gedanke, dass das Leben zu schmerzhaft ist, kollektiv betrachtet. Denn  der Schmerz war zwar etwas, dessen Wert sie mit einer Distanz schätzen konnte, aber da ging es nur um ihre eigenen Erfahrungen von Schmerz, der ihr im Vergleich zu dem vieler anderer auf der Welt wie ein verwöhntes Kind vorkam, dass schon anfängt zu schreien, wenn der Arzt die Spritze gerade mal in der Hand hält und dennoch so schlecht von ihr auszuhalten geschweige denn zu akzeptieren; die Vorstellung dass es nur viel größeres Leid geben könnte war für sie nicht wirklich fassbar oder  gedanklich auch nur auszuhalten.

„Halt doch einfach den Mund!“, sagte sie dann dieser Erzieherstimme und unmittelbar danach fiel ihr ein, dass das doch ziemlich unfreundlich war und auch diese Stimme es wahrscheinlich nur gut meinte und fügte deshalb schnell hinzu: „Danke, dass du mir helfen willst, dankbar und zufrieden zu sein.“

Und als sie die Post fast erreicht hatte, fiel ihr auf, dass sie sich kaum befangen fühlte zwischen all den anderen und das freute sie, das Gefühl  nahe am Ziel zu sein.

Und es ärgerte sie nicht mehr so sehr, dass sie nicht aufhören konnte „nah oder weit vom Ziel“ zu denken, gut oder schlecht…

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Gleich sein

Den Pathos verlieren, ohne gleichgültig, sarkastisch bitter zu sein. Sich seiner falschen Emotionalität entledigen.
Sachlich sein, aber nicht diese maschinengleichen, unbelebten Sachlichkeit.
Vielleicht muss man erst einmal aufrichtig sentimental sein,durch diese projezierende Emotionalität gehen und glauben, dabei glauben, dass es um etwas echtes geht: Mitgefühl, Einsatz, Interesse.
Immerhin scheint es näher am Leben zu sein als die Taubheit und das Desinteresse an etwas außerhalb ihrer selbst, das viele Menschen gefangen hält. Dann doch lieber entrüsteter, hilfsbereiter, dramatisierender Mensch.

Erst in der Erkenntnis, dass du nicht das bist, was du dir bisher erzählt hast/was die erzählt wurde, diese langweilige Geschichte deines Lebens, reduziert auf deine Sozialisierung, konditionierten Emotionen und gewohnten Gedankenbahnen, und die paar Dinge, die wir als Erinnerungen abgespeichert haben, das Leben auf ein mehr oder weniger willkürlich zusammengestelltes Fotoalbum reduziert.

Das zu vergessen, was wir glauben zu sein, hat nichts mit Demenz zu tun, sondern ist eine Bewegung in eine ganz andere Richtung: Hin zur Klarheit.
Erst wenn du eine Ahnung bekommst, dass wir Schauspieler auf einer Bühne sind, die so gut in ihrem Spiel sind, dass sie vergessen haben, dass es nur eine Rolle ist, erst dann entdramatisiert sich das Drama. Deines und das der anderen.

Das Ego* lässt dich glauben, etwas besonderes zu sein. Das Ego lässt dich glauben, unbedeutent zu sein.
Es lässt dich fordend sein oder zögerlich, verzagend. Sprechen oder schweigen.
Es spielt dich.
(Aber) Das spielt keine Rolle. Was es auch ist. Du brauchst es nicht überwinden. Beobachte es nur. In Dir. Kannst du erkennen, dass es nicht du ist, wird das Drama zur Komödie und von dort ist es nur noch ein kurzes Stück
bis du die Bühne verlassen darfst und raus in die Sonne, barfus durch das feuchte Gras, unbekannte Düfte in der Nase, die keinen Namen haben.

Die Materie tanzt ihren Tanz und du erkennst dass alles in einem ist und alles zugleich. Ein herrlicher Wirbel, der am Ende auch nur eine Illusion ist, aber eine die es wert ist, zu sein. Du siehst in den Augen, das gleich Sein, das du bist und niemand ist fremd. Du spürst in dem Kitzeln des Grashalmes, das gleiche Sein und in der Wärme der Sonne.

Und von dort aus ist es nur ein kurzes Stück, bis du es auch im kalten Wind erkennst, im schneidenen Eis und in den dunklen Tagen und dann ist es nicht mehr weit,

dann erkennst du es auch in der engen, staubigen, langweiligen Welt des Theaters und du kannst tun, was du willst, fühlen, was du willst, es wird dir gleich sein.

Das ist Reichtum, den niemand anderer nehmen kann, und näher kommen wir Menschen nicht an Freiheit heran.

 

 

*Im Sinne dieser falschen, menschlichen Identität, die wir uns zugelegt haben.

Frieden kennt keinen Krieg

Wann werden wir so hungrig nach Frieden sein, dass jede Rechthaberei ihren Reiz verliert?

Fast jeder sagt: Ich will Frieden.

Doch was tust du für den Frieden?

Solange du da stehst und mit deinem Finger auf den anderen zeigst, darauf bestehst, dass er sein Unrecht endlich einsieht, soange fügst du der Welt mehr Krieg zu.

Im Krieg sein bedeutet Abgrenzung vom anderen. Die Verneinung, dass er wie du ist.

Dein „liebevolles Herz“ wünscht allen Menschen gutes und möchte niemandem Schmerz zufügen,

bis auf die, die du zu deinen Feinden* erklärt hast. Die haben es verdient zu leiden, denn sie haben andere leiden lassen, sie sind schlecht. Sie sind keine Menschen wie du, denn du würdest so etwas nicht tun.

Und mit einem Mal freust du dich, wenn anderen etwas schlimmes passiert, weil sie deine Feinde sind, weil sie es verdient haben.

Wenn du religiös bist, dann betrachtest du ihre Schmerzen/Ängste/Leiden als Strafe Gottes, so als wüsstest du genau, wann Gott straft und wann er prüft. (Und das ist Anmaßung.)

Wie kann ein immer schlagendes Herz diesen Unterschied machen, so als würde es bei jedem Herzschlag entscheiden, ob er verdient ist oder nicht. Das kann also nicht dein Herz gewesen sein, das für den einen schlägt und gegen den anderen.

Und näher betrachtet, fühlt es sich so an, als sei es dein Gerechtigkeitssinn, der dich diesen Unterschied machen lässt. Es wurde uns früh beigebracht, dass wir Liebe nur verdient haben, wenn wir uns gut verhalten und fast genauso früh haben wir um von der eigenen schmerzhaften Erfahrung des Bedingt- geliebt-werdens abzulenken auf andere übertragen, wer verdient es geliebt zu werden und wer nicht. Als Alibi kam uns die Frage der Gerechtigkeit gelegen. Mehr noch als ein Alibi, das Gefühl, dass es den anderen genauso ergehen soll wie uns, wenn wir nicht angenommen werden wie wir sind, dann dürfen es die anderen auch nicht.

Es gibt einen Punkt in deinem Leben, da hast du die Möglichkeit erwachsen zu werden. Erwachsen in dem Sinne, die Fähigkeit zu entwickeln, das verletze Kind in dir zu heilen.

Das sogenannte Kind mag ein Teil des Ego sein mit seinem gesammelten, unbewältigten Schmerz und dein Erkennen, dass du weder deine konditionierten Strukturen und rechthaberischen Denkmuster, noch deine Ängste/Schmerzen bist, dass du etwas viel tieferes bist, das lässt dich auf allen möglichen Ebenen heilen.

Auch heilen von der Illsuion des Getrennt-sein, das dir Einsamkeit vortäuscht, wo niemals Einsamkeit war.

Du erkennst, dass der Feind im Außen in dir  war und dass niemand jemals durch Krieg besiegt wird. Und du erkennst, dass es viel Ungerechtigkeit auf der Welt gibt, weil jeder nur nach seinem eigenen Recht schreit.

Dann bist du Frieden, der kein Gegenteil hat. Du hörst auf zu beteuern, dass du eigentlich nur Frieden willst.

*ob nun temporär im Falle eines Streites, wo der Liebste/die Liebste/die eigenen Kinder,Eltern,Freunde, etc. plötzlich keinen Platz mehr in deinem Herzen haben oder kostant als das persofinzierte Böse, ob nun eine Gruppe oder ein Individuum.

Anmerkung: Viele verbinden den Zustand des Einssein mit allem mit Handlungsunfühigkeit und  einer morlaisch-relativistischen Einstellung. Aber das stimmt nicht. Du hörst nur auf, von einem Ort der Abgrenzung aus zu agieren. Du stehst dem Schwachen bei und erhebst dich gegen den Unterdrücker sobald du kannst, aber du handelst aus einem Ort, der die Einheit von allem erkennt.

Ich gehe davon aus, dass jeder, der sich selbst reflektierend  und so bewusst wie ihm möglich durchs Leben geht, diesen Ort kennnt und wer ihn kennt, dessen Wunsch wird sein immer an diesem Ort zu bleiben, auch wenn er (wie ich) vielleicht noch nicht immer weiß wie das geht. Aber der Wunsch wird stärker werden, er wird einen Sog und eine Stärke entwickeln, die dich dorthin ziehen, immer öfter, immer wieder.

 

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Livia Marin

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LIVIA MARIN. London-based Chilean artist. Nomad Patterns series,2012

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5. November

Das perfekte Weihnachtsgeschenk für Leute, die schon alles haben ist: Nichts*.

Nur weil man keine Angst spürt nachts im Dunkeln zu laufen oder von Terroristen in die Luft gesprengt zu werden, bedeutet das nicht, dass man kein ängstlicher Mensch sein kann.

Das Schreiben wird eine Herausforderung, wenn man aufhört Probleme zu beschreiben, in dem Wissen, dass man durch noch so genau Analysen und treffende Metaphern nicht näher an eine Lösung kommt, sondern den Zustand nur verfestigt.

Man muss also die Gewohnheit aufgeben und auch seinen Stolz auf die rhetorische Fähigkeit, innere und äußere Missstände zu kommentieren.

Sie sagte, seine Heiligkeit sagte: Es gibt einen Berg aus Gold und einen Berg aus Morast. Auf dem Berg aus Gold wachsen keine Magnolien. Auf dem Berg aus Morast wachsen sie.

Unsere Weisen sagen, sagte sie (eine andere):

Zwei Zettel soll der Mensch in den Hosentaschen haben.

Den Linken holt er heraus, wenn er sich für etwas Besonderes hält und Hochmut spürt:
Zu Staub wirst du werden.

Den Zettel aus der rechten Tasche holt er heraus, wenn er sich machtlos und elend fühlt:
Wegen dir habe ich die Welt erschaffen.

Eine dritte zitiert aus den Tälern:
Dann sieht er im Krieg Frieden und er antwortet auf Wut mit Liebe.

Sie hat geballte Wut erfahren und jemand hat die Wut in ihr hervorgeholt. Aber immer nur bis das Mitleid wieder die Kontrolle übernimmt. Das Mitleid, das sie leid ist, aber nicht los wird…..(Zensur:  siehe 1!)

Auch Angst relativiert sich, wenn man begründete Angst erlebt. Begründet in dem Sinne einer bedrohlichen Situation. Zu viel Sicherheit kann Angst machen.

Angst vor bedrohlichen Situationen, die man nicht wirklich erlebt hat. Angst im Kopf verbreitet sich, bis jede neue Situation, jeder unbekannte Mensch Angst macht, man ist nicht in der Lage Bedrohlichkeit und Harmlosigkeit voneinander zu unterscheiden. Viele Menschen, die schreckliches erlebt haben, sind ihre Angst los geworden. Weil Angst vor allem die Angst vor dem Verlust ist.
Als Kind spürte man es noch sehr deutlich: Bitte lass es nicht wahr sein. Bitte lass es nicht wahr sein.

(Dieser Absatz ist zu gelassen, denn er führt aus Angst  hinaus, was gleichzeitig zeigt, dass die  Zensur  des Beschreibens nur gilt, wenn sie keinen anderen Sinn erfüllt).

Ich befinde mich in einer Art Raum, der zwei Wände hat, die in einem Spannungsverhältnis stehen:
Das Richten der Wahrnehmung auf das Gesuchte/Gewünschte und die Akzeptanz dessen, was an Schmerzen und Leid in uns (denn es ist nie außerhalb von uns) ist.

Das eine negiert nicht das andere. Sie ergänzen einander, wenn man diese beiden Ebenen verstanden hat.
Der Schmerz bittet um Vernichtung und zeigt in seiner Festigkeit auf seine Ursache, gleichzeitig fordert er auf, hinter die Täuschung zu schauen und die Illusion zu begreifen. Begreifen kann man aber nur, wenn man aufhört sich zu wehren, zu zappeln, zu jammern, zu wünschen, es wäre anderes. Das ist das schwerste.  Und meist erkennt man das erst im Nachhinein, geboren durch Erleichterung.

Und nach jeder Krise, das Richten auf seine eigene Visionen und Kraft, das Gefühl einer Befreiung, eine Dehnung seiner eigenen Beschränktheit.

Der Gedanke, dass all das:
Unsere Körper und seine komplexen Vorgänge, Gedanken, Gefühle, Reflexionen der Welt und ihrer Geschehnisse.
Dass all das am Ende nicht wirklich ist, also auch die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Einbildung, Wahrheit und Unwahrheit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit am Ende eine unnötige (nicht am absoluten Sinne zu verstehen, sondern auf der letzten Ebene) ist, dieser Gedanke ist vor allem für die Leidenden einladend. Für dich, die nicht (weiter) wissen.

Absurd, dass gleich nach diesem Gedanken (denn auch das sind nur Gedanken?), das Problem der Klammern so wichtig erscheinen kann.
Ich denke noch viel mehr in Klammern, als ich schreibe und bin mir bewusst, dass Klammern nerven, andererseits wichtig sind, um anzuzeigen, dass das folgende vom Hauptstrom der Gedanken abweicht, aber als Einwand/Information mit dazugehört.

Man fühlt sich immer so geliebt, wie man sich selbst liebt.

* Das meine ich ohne Groll gegen Leute, die alles haben, bzw. sich alles kaufen können, was sie haben möchten. Es ist eine Feststellung und Stellungnahme gegen die nervige Werbung, die so dreist für Geschenke wirbt: Das perfekte Geschenkt für Menschen, die schon alles haben.

Das Spiel

Vorworte überspringe ich. Worte vor den Worten.

Überspringen bis es losgeht mit den richtigen Worten.  (Deshalb würde mein Buch natürlich kein Vorwort haben).

Nur eine Anmerkung: Meine Gedanken sind eine Mischung aus Lehren der sogenannten New-Age-Philosophie*1 und Beobachtungen in und an mir selbst. Ich überlege einen eigenen Blog für das folgende Selbstexperiment anzulegen und lade ein, das „Spiel“ mit zu spielen. 

 

Gehen wir einmal davon aus, dass das Gesetz der Anziehung ein Naturgesetz ist.

Und lass uns von der These erst mal gar nichts ableiten.

Kein: Jeder nur für sich. Das Außen existiert nur in deiner Vorstellung. etc.

Lass uns ein Spiel spielen….

Das Spiel heißt: Das Leben als Spiel.

Von jemanden, der sogar beim Verlieren bei Mensch-Ärger-Dich-Nicht in Tränen ausbrach zu jemanden der durch den ernstesten Ernst des Lebens tanzt.

Also das, was wir als ernst betachten, als existenziell wichtig.

Vergessen wir mal, dass wir es ja im Vergleich zu dem Rest der Welt, der eventuell gar nicht existiert (und wir als die Lebensgeschichte über die wir uns identifizieren auch nicht),

dass wir es sehr gut haben, so weit in Sicherheit leben.

Kein täglicher Kampf mit Raubtieren, Naturgewalten oder/und Krieg.

 

Die erste Regel lautet:

Beherrsche deinen emotionalen und kognitiven Zustand. Fordere die Alleinherrschaft ein, lass dich nicht entmutigen, wenn das nicht sofort funktioniert, wenn doch: um so besser.

Nehme dir beim Einschlafen und Aufwachen vor, deine Gedanken und Gefühle im Griff zu haben, d.h.: sich ihrer bewusst zu sein und darauf zu achten, dass sie die Gedanken und Gefühle sind, die du möchtest.

Mache deine Gedanken und Gefühle unabhängig von den Geschehnissen des Tages. Erkenne, dass du bis jetzt konditioniert reagiert hast:

Scheint die Sonne, geht es uns gut. Ist Regenwetter und kalt haben wir miese Laune. Sagt jemand, was nettes, fühlen wir uns wohl. Ist jemand gemein/blöd mit uns geht es uns schlecht. Haben wir Erfolg, triumphieren wir und so weiter…

Atme im Laufe des Tages immer wieder durch und lasse alle angesammelten Gedanken/Gefühle für nur diesen Moment los. Spüre, dass du Bewusstsein bist.

Dein Wille bei dir zu bleiben und nicht nur auf Geschehnisse zu reagieren ist fest, aber nicht verbissen.

Wenn du merkst, dass er dir weg schlüpft, nimm es gelassen, vielleicht lächelst du ein wenig über unsere menschlichen Mechanismen und freue dich, dass du es erkannt hast.

Spiele mit der neuen Idee deiner Souveränität….

 

*1 Dieser Begriff ist eher negativ konditert und wird oft lächerlich gemacht. Seiner eigenen Intuition folgend und alte Lehren abgleichend ist es aber in seiner Essenz gar nicht so sehr Neues Zeitalter, sondern alte, vergessene Lehren, deren wohlstandgesellschaftlichen Schlussfolgerungen etwas vermessen scheinen. Dazu aber später mehr.

 

 

 

 

Erinnerung an einen Regentagmorgen, schon wieder Vergangenheit, wenn ich das Ende des Textes erreiche.

Samstagregenmorgen, leichte Kopfschmerzen, die mich aber eher zu etwas antreiben als von etwas abhalten.

Morgens wie eine leere Leinwand aufwachen.

Und sie dann gut überlegt füllen mit Ideen wie man heute sein möchte, wohin man seinen Blick wirft. Alle Ideen, die den Weg aus Starre zeigen, sind willkommen.

Mit Kaffee im Bett sitzen, schreiben und auf der Couch schnarcht mein Sohn leise vor sich hin. (Er kam, als ich schon schlief, irgendeine Spinne, die ihn verschreckte.)

Ich tippe leise und fühle Dankbarkeit: Bei einem kalten Regentag in der warmen Wohnung und dein erwachsen werdender Sohn schläft tief neben dir.

Die Mädchen sind fast flügge und ich darf sie begleiten, Mut machen. Die letzten Momente  genießen, ein Abschied auf den ich lange gewartet habe und dann doch eine Nostalgie und der Wunsch intensiver anwesend gewesen zu sein.

Im Traum ein viertes Kind bekommen, ein Mädchen, ganz sanft, so eines, das sich an einen schmiegt und lächelt und Frieden ausstrahlt.

Die Momente in denen allerlei Ideen und losen Verknüpfungen, Möglichkeiten zu einander finden…

Die Welt, als einen Ort voller Möglichkeiten begreifen, die Wunder auf die ich als Mädchen gewartet habe, erfahren.

Erinnerungen, wie ich voller Begeisterung aufwachte und erwartete, dass dieser Tag ein besonders guter Tag werden sollte, ein Tag, der vieles verändern würde.

Und dann kam das, was wir Realität nennen, dass als Kind unerwartet, unkontrollierbar scheint und durch seine Festigkeit über die Vorstellungen des Mädchens siegte, so dass es ihr vorkam als würde sie gegen eine unsichtbare Wand laufen, mal war diese Wand gummihaft weich, mal so hart, dass es ihr ganzes Wesen erschütterte. Immer nahm sie es sehr persönlich. Und lange wunderte sie sich, dass ihre intensiven, warmen Vorstellungen nicht die Kraft besaßen, die sie spürte zu haben.

Bis sie nach und nach einen solchen Respekt vor der Realität bekam, dass sie eifrig alle Regeln lernte, die man ihr bei brachte und sie gewissenhaft einhielt, eine Stimme in ihr, die sagte, dass sie sich geirrt haben musste, ihre Möglichkeiten überschätzt.

Ich stelle mir vor wie ich das Mädchen besuche, es fest umarme und ihm sage, dass es Recht hat und dass es nur Übung braucht, dass sie an dem Zustand der Liebe festhält, wenn sie Verletzungen erfährt, dass sie anstatt das Leben zu ernst zu nehmen, lieber ihren Blick darauf richtet, das Urteilen zu entschärfen.

Jetzt scheint die Sonne und mein Sohn schläft still. Es ist ein wunderbarer Tag.

 

 

 

Normalität und Klarheit

Der Begriff Normalität ist in dem Sinne problematisch ist, dass er nichts über die Qualität seiner Inhalte aussagt, sondern eine quantitative Aussage trifft:

Die Mehrheit ist so und so. Die Norm wird gemessen an Häufigkeit. (Das wissen wir*)

Sind also die meisten Menschen krank, wäre krank-sein die Norm und Gesundheit unnormal.

Nur unter diesem Aspekt verstehe ich die Glorifizierungen des Verrückt-seins, siehe:

Alice im Wunderland, diverse lustige Sprüche des Tages, diverse Lyriks von Pop-songs.

Im Geist ver-rückt/schrill sein, als Auflehnung in einer normierten Gesellschaft, deren Geist auch ver-rückt ist, aber auf eine sehr viel langweiligere und konforme Art und Weise.

Und ein wenig Spinnerei bringt Lebendigkeit hervor und zersprengt starre Konstrukte in die wir hineinwachsen, so dass wir nicht mehr verstehen, was für Möglichkeiten des Erlebens wir haben können.

Oft ist diese Art von gewolltem, schrillen Anders-sein ziemlich egozentrisch*2.  Ein weiteres Schlagwort unserer Zeit. (Mit dem sowohl beschrieben als auch geschlagen wird).

Es gibt eine alte arabische Legende, wonach ein muslimischer Heiliger in einem von einem Tyrannen beherrschten Land wie ein Verrückter durch die Straßen galoppierte. Dadurch schütze er sich und es ermöglichte ihm, mit den Menschen  in Kontakt zu treten und sie indirekt an Dinge zu erinnern, die sie im Alltag in einer Atmosphäre von Angst und Unterdrückung vergessen hatten.

Vielleicht entschied er sich, im Sinne eines Hofnarr verrückt zu werden und spielte die Rolle nicht nur. Vielleicht ist es irrelevant, für was für eine Persönlichkeit entscheidest, solange du in Verbindung zu deiner Essenz stehst.

Und wahrscheinlich bist du näher an deiner Essenz, wenn du den Drang loslassen kannst, eine bestimmte, kontinuierliche Persönlichkeit zu sein über die du dich identifiziert.

(So oder so:)

Der Wunsch sollte Klarheit sein.

Klar in einer Zeit der Unklarheit. Klar in einer Zeit der Klarheit.

Sich weder abheben, noch anpassen.

 

 

 

 

*1Mit „wir“ meine ich eine unbestimmte Anzahl an Menschen, die über das, was in ihnen in ihrem Leben begegnet reflektieren.

*2 Und da beginnt es merkwürdig zu werden, denn eine zunehmende Egozentrik wird mehr und mehr zur Normalität in unserer Gesellschaft und so mit auch der Wunsch „crazy, anders, Einhorn“ zu sein…

(Mit ist bewusst, dass es schwierig ist über „die“ Gesellschaft zu reden, ich meine es im Sinne eines  (westlichen  oder wie man auch gerne sagt: neoliberalen Zeitgeistes)

Vor demselben Baum stehen. In zwei verschiedenen Zuständen.

Vor demselben Baum stehen. In zwei verschiedenen Zuständen.

Einmal sehe ich den Baum und nehme ihn wahr.

König, denke ich. Du. Ich. König. Wir. Alles. Nichts.

Das andere mal steht eine gläserne, durchsichtig und doch stumpfe Mauer zwischen dem Baum und mir und auch wenn ich verstehe, dass ich diese Mauer gezogen haben muss und der Baum derselbe Baum mit derselben Wahrheit (bzw. noch viel tiefer) ist, noch immer König, jedes seiner Blätter ein Wunder, auch wenn ich das weiß, komme ich mir ausgesperrt vor.

Dann denke ich: Warum reden die Weisen/innen nicht mehr darüber, wie man in diesen Zustand kommt, warum reden sie nur vom Zustand selbst und was nützt es mir, wenn es die Momente sind, in denen man sich selbst ohne zu verstehen aussperrt, die einen hilflos machen?

Sie reden von dem Zustand,

als ob das Reden über den Zustand den Zustand auslöst und manchmal funktioniert es und oft nicht.

Vielleicht ist das ein besonderes Problem des modernen Menschen, dass er den Schlüssel zum Zustand der Verbundenheit immer wieder verlegt und nicht weiß, wo er suchen soll.

Es ist also nicht der Ort, den wir suchen, sondern den Zugang zu ihm.

Wir wissen, dass es auf das „wie“ ankommt nich auf das „was“,

im Zustand der Verbundenheit ist es nicht wichtig, was wir tun. Es ist alles gut. Und wir erkennen, dass alles Streben egal in welche Richtung immer nur Mittel zu Zweck ist.

Zum Erreichen des Zustand der Vollkommenheit.

Es scheint mir, dass wir Menschen viele Versuche unternehmen, um uns ins Staunen zu versetzen. Wir alle suchen diesen Ort. Gerade in den Künsten. Oft wird versucht eine Atmosphäre des Wunderns zu kreieren. Dabei wird meist der intellektuelle Verstand adressiert, der aber schon so lange die Existenz von Wunder negiert hat.

 

 

Neuanfang II

Manche Menschen sagen „Wir sind (doch) alle gleich“, weil sie Angst vor dem Fremden haben.

Verschieden sein ist für sie negativ besetzt und sie versuchen ihre Angst zu zudecken mit dem eigentlich wahren Satz um unsere Gleichheit.

Und so suchen sie immer sofort den größten gemeinsamen Nenner, um sich nicht zu beunruhigen, der andere wird angeglichen, seine Unterschiede ignoriert, um die Seifenblase der Gleichheit aufrecht halten zu können.

Diese Menschen verstehen nicht, dass gleich-sein nichts mit äußerlicher Ähnlichkeit zu tun hat und sich auf unsere Essenz bezieht.

Es gibt keine zwei Menschen auf dieser Welt, die was ihre Wahrnehmung der Welt, Lebenserfahrung, sozio-kulturelle Prägung, Erziehung, etc.  ganz gleich wären und das dem Versuch zum Trotz jedem Fleckchen der Welt Coca Cola als Lebensgefühl zu verkaufen und es zu einer noch billigeren Version weiß-amerikanischer Seifenopernserien zu machen.

Aber der Trend geht dorthin, dass wir unseren traditionellen Kleidungen und Werte, Vorstellungen ablegen und alle in derselben Cowboy Version herum laufen.

Die westliche Art der Kleidung ist die Norm von der sich alles andere als bunt und exotisch abhebt.

Ein Araber in einer Jalabiya (ein kleidähnliches Gewand) herumzulaufen, fällt mittlerweile in vielen arabischen Städten schon auf, von Europa zu schweigen.

Aber ein Europäer in Jalabiya, da geht dann die absolute Verwirrung los. Warum trägt er es? Was bedeutet das für ihn? Ist er Muslim geworden? Ist er radikal? Zum Glück hat er keinen Rucksack dabei! Scheiße, er hat einen Rucksack dabei!! Trägt er es aus einer Antihaltung westlichen Lebensstils heraus? Will er unbedingt auffallen oder sogar provozieren? Ist er in ein arabisches Mädchen verliebt und will sie beeindrucken?….

Dass diese Teile vielleicht einfach nur sehr bequem und luftig sind, darauf kommt keiner.

Das ist nur ein Beispiel.

Auch im interreligiösen Dialog gibt es eine Tendenz religiöse Unterschiede schnell den Gemeinsamkeiten zu opfern, so als stören Unterschiede.

Selbst hier erkennt man, dass ein Unterschied nicht als Bereicherung sondern als Problem betrachtet  wird.

Wir sind alle gleich. Aber wir kommen aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen, gehen verschiedene Wege, und das ist ein Grund für Interesse und Begeisterung, wenn man den ersten Satz richtig verstanden hat.

Vor allem aber im mehrheitlich-gesellschaftlichen Umgang mit Unterschieden wird diese Angst vor dem Fremden deutlich:

„Die sollen sich gefälligst anpassen!“ Immer klagend bis aggressiv vorgetragen.

Das wir dann oft richtig absurd, wenn zum Beispiel eine deutsch, konvertierte(r) Muslim(a) nicht die Hand geben möchte. An was für eine Form des Deutschsein sollen sie sich denn anpassen?

„Die sollen zurückgehen, wo die hergekommen sind!“

Menschen mit Humor fragen dann, ob damit Meyenburg bei Prignitz gemeint sei.

Hier wollen Menschen, dass die anderen Menschen wie sie selbst aussehen, sich wie sie selbst benehmen, reden, ansonsten sind diese Schmarotzer, Eindringlinge, Feinde…

Diese Menschen glauben nicht, dass wir alle gleich/gleich viel wert sind. Und sie wollen Dinge nicht differenzierter sehen, sind blind für Zusammenhänge und taub für Zusammenhänge.

Sie wehren sich gegen Globalisierung, indem sie die Grenzen immer enger machen. Ihre Welt ist eine Scheibe von der ihnen (zufällig?) das beste Stück gehört.

(Ich meine damit nicht, dass jemand, der sich fragt, was für Auswirkungen die Zahl an Flüchtlingen für uns hat und wir wir diese Herausforderung meistern wollen, dazu gehört. Oft aber wird auch dieses Argument, das Argument gegen das Nazi Totschlagargument nur als Alibi benutzt und darunter findet man tatsächlich ziemlich schnell all die alten Ressentiments).

 

 

Neuanfang (to be continued)

Vielleicht war es der (nicht zu Ende gebrachte) Unibesuch, der mich hemmte, mein kindliches Schreibe-ich zu zulassen, immer wenn ich etwas naiv aus dem Bauch heraus schreibe, alltägliche Beobachtungen/Gedanken, dann schäme ich mich für sie und verstecke sie schnell wieder.

Ganz bestimmt liegt es auch daran, dass ich mich mit den Jahren dem Schweigen nähere, sowohl schriftlich als auch mündlich. Jeder hat eine Meinung zu so gut wie jeder Sache, aber wirklich vielfältig sind diese Meinungen nicht, sie gleichen eher einer tauben, polarisierenden Diskussionen inkontinenter Münder.

Wir suchen immer wieder nur nach Bestätigung des schon von uns geglaubten, begeben uns nie wirklich aus unserer Bequemlichkeitszone.

Es ist schon absurd, dieser Versuch von Individualismus und wie unsere Vielfalt dadurch eigentlich verarmt.

Da beschweren sich Menschen über die Aussage, dass wir alle gleich sind.

Weil sie nicht verstehen, dass damit etwas anderes gemeint sein könnte, als die äußerlichen Unterschiede, die Kleidung, die wir tragen, die Lebensphilosophie mit der wir uns identifizieren, unsere sexuelle Vorliebe, unsere Hautfarben/Herkunft, unseren sozialen Stand. Wir sind geprägt davon, ganz bestimmt auch determiniert. Das macht Kultur und Sozialwissenschaften so interessant. Der Einfluss, denn all diese Sachen auf uns haben.

Alle Menschen sind gleich, muss man eigentlich nicht erklären:

Wir werden geboren, wir leben, wir nehmen uns als denkende, selbstreflektierende Wesen wahr, wir haben keine Beweise, wie und ob es weiter geht, wir wissen nur, dass unser Körper, egal wie schön, reich, geliebt er war, in der Erde vermodern wird, bis er selbst zu Erde wird.

Der Satz darf nicht dazu benutzt werden, Menschen davon abzuhalten  sich für Gerechtigkeit einzusetzen, gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen, denn bevor die Menschen nicht dieselben Chancen haben, besteht ein Ungleichgewicht, das man entweder akzeptiert oder nicht.

Da wir in einer Welt leben, die das Recht auf Chancengleichheit behauptet, ist es naheliegend, dieses auch einzufordern.

Wir Menschen sind alle gleich. Aus diesem Satz sollte jede Bewegung stehen.

 

 

Ahnung

Vielleicht braucht es noch, bis ich mehr sagen kann.

Und auch wenn ich sacht eine Ahnung bekomme, was „Zeit ist eine Illusion“  bedeutet, entfaltet es sich auf der weltlichen Ebene in seiner eigenen Zeit.

Es gibt keine Vorzeitigkeit.

Und die Blume kennt kein Risiko in der Knospe zu verharren.

Ein wenig mehr gibt es hier:

https://miriamsamara.wordpress.com/