Mary am Meer

Aufgabe

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Deine Aufgabe ist nicht die Liebe zu suchen,
sondern lediglich all die Hindernisse
in dir zu suchen und zu finden,
die du dagegen aufgebaut hast.
RUMI

Berauscht

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Der Liebende ist immerzu

berauscht von der Liebe.

Er ist frei, er ist verrückt

Er tanzt in Ekstase und Verzückung.

Gefangen durch unsere eigenen Gedanken

sorgen wir uns um jede Kleinigkeit

Doch wenn wir einmal

von dieser Liebe trunken sind

– was immer sein wird, wird sein.

Rumi ❤

Sterne, Stille und Rumi

Mit dem Licht der Sterne wird das Leuchten der Stadt zu teuer bezahlt!

Und immer noch wartet der Fremde auf das Ende seiner Fremdheit.
Der Stille wird stiller durch den Lärm der Welt und fast erreichen seine Schwing(ung)en die der anderen.

Der Laute wird lauter, kreischt Dummheiten oder spirituelle Weisheiten- es macht kaum einen Unterschied- kennt nur das Auge, das Ohr, geht unter im Meer der Individualisten.
Solange du glaubst Kommentare anderer könnten dich retten, Anerkennung irgendwelcher Art könnte dir die Verbundenheit schenken, welche die einzige aufrichtige in deinen Absichten ist, kann dir niemand helfen.

Die dunklen Tage haben uns hart gemacht und unsere Herzen entstellt. Und die Nacht wird nicht mehr dunkel genug, damit wir Mut fassen für Aufbruch.

……………..

„Komm, komm, wer immer du bist,
Wanderer, Götzenanbeter, Atheist
du, der du den Abschied liebst,
es spielt keine Rolle.
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.
Komm, auch wenn du deinen Schwur
tausendfach gebrochen hast.
Komm, komm, noch einmal, komm!“,

ruft Rumi und er ruft nicht dazu auf, sein Wort zu teilen.
Er ruft uns, zu kommen.
Es ist das Tun* und nicht das Reden darüber, das uns in Bewegung setzt.
Und wenn du nicht weißt wie und wohin, gehe los, setze etwas in dir mit aufrichtiger Absicht in Bewegung und die Karawane offenbart sich selbst.

Filmempfehlung


Wie wurde der Film wohl gedreht, (fast) alles wirkt so echt und elementar.
Das Mädchen ist unglaublich süß. Und der Film zeigt sehr gut, wie der Krieg und die Gewalt die Menschen abgestumpft/hart gemacht hat und dass man im Kampf ums tagtägliche Überleben wohl nicht mehr den Luxus hat liebevoll zu sein, nicht einmal zu einem der süßesten Mädchen der Welt.

Die Menschen sollen einander beistehen. Koran

 

„Permission is granted to those who are being persecuted, since injustice has befallen them, and GOD is certainly able to support them.
22:40 They were evicted from their homes unjustly, for no reason other than saying, „Our Lord is GOD.“ If it were not for GOD’s supporting of some people against others, monasteries, churches, synagogues, and masjids – where the name of GOD is commemorated frequently – would have been destroyed. Absolutely, GOD supports those who support Him. GOD is Powerful, Almighty.“

„Erlaubnis (zum Kampf) ist denjenigen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht zugefügt wurde – und Gott hat wahrlich die Macht, ihnen zu helfen –,
(ihnen), die zu Unrecht aus ihren Wohnstätten vertrieben wurden, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Gott. Und wenn Gott nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt hätte, so wären fürwahr Mönchsklausen, Kirchen, Synagogen und Gebetsstätten zerstört worden, in denen Gottes Name häufig genannt wird. – Und Gott wird ganz gewiß denjenigen helfen, die Ihm helfen. Gott ist wahrlich Stark und Allmächtig.“

Aus diesen Versen wird die Erlaubnis zur Verteidigung deutlich, im Umkehrschluss kann man schlussfolgern, dass man niemanden angreifen darf.
Und dann kommt der Vers, in dem klar wird, dass wenn wir Menschen uns nicht gegenseitig beschützen, egal welcher Religion wir angehören, dann wird alles was schön ist („Gottes Namen häufig rufen“ gleichbedeutend mit allem, was Liebe ist) zerstört.
Und das Ende des Verses ruft auf, aktiv zu sein. Wie könnten wir Gott anders helfen als den Menschen/Schöpfung zu helfen, für einander einstehen, einander beschützen und auch Seite an Seite zu kämpfen, wenn Menschen zu Unrecht angegriffen werden und das egal, welcher Religion sie angehören. Erst wenn wir das tun, wird Gott uns helfen.

An diesen Vers habe ich gedacht, als ich die vielen Menschen in Amerika und auch Kanada sah, die für Ihre muslimischen und anderen Mitbürger aufgestanden sind und ihre Stimme erheben. Das ist es, was Hoffnung macht in diesen Tagen und ich bin sehr dankbar, diese Entwicklung im menschlichen Bewusstsein miterleben zu dürfen.
Möge Gott uns helfen gegen die Tyrannen dieser Welt, egal welcher Religion/Ideologie sie angehören. Amin.

Morning Prayer

„O Allah, O He Who extended the morning’s tongue in the speech of its dawning, dispatched the fragments of the dark night into the gloom of its stammering, made firm the structure of the turning spheres in the measure of its display, and beamed forth the brightness of the sun through the light of its blazing!

O He Who demonstrates His Essence by His Essence.

My God, I have knocked upon the door of Your mercy with the hand of my hope, fled to You seeking refuge from my excessive caprice, and fixed the fingers of my love to the ends of Your cords.“

 

 

Wach auf, übers sterben.

Etwas passiert in der Welt. Menschen wachen auf und andere fallen noch tiefer in die Unbewusstheit.

Menschen erheben sich und brechen ihr Schweigen gegen Ungerechtigkeit. Und andere klammern noch fester an ihren starren Strukturen und Konzepten.

Es wird etwas passieren. Bald. (Spätestens) In den nächsten paar Jahren. Ich kann es spüren.

Nennt mich verückt. Ich spüre es. Die Welt, wie wir sie kennen wird nicht mehr lange existieren. Und vielleicht hatten die Leute Recht mit 2012 als Anfang vom Ende der alten Welt und Anfang vom Anfang einer neuen Welt.

Es gibt Propehzeiungen aus allen Teilen der Erde. Man kann ihnen glauben oder es sein lassen. Aber was schadet es die Zeichen zu kennen, so dass sie die Wahrheit an ihrer Erfüllung abgleichen lässt und man sich vorbereiten kann.

Es wird eine Zeit der Katastrophen auf uns zukommen und wir sind nicht bereit dafür, niemand ist je bereit dafür, aber wir sind am wenigstens bereit dafür. Wir, die wir Frieden und Sattheit für ein Naturgesetzt halten, das aus unerklärlichen Gründen in bestimmten Teilen der Erde außer Kraft gesetzt ist.

Angst zu bekommen oder es einfach zu verdrängen hilft nicht weiter. Nur Vertrauen/Gegenwärtigkeit/Akzeptanz des einen Moments hilft, jeden Tag sein Bewusstsein zu schärfen. Diese neu entdeckte radikale Liebe, die Möglichkeit dieser Liebe wachsen zu lassen und sich immer wieder an sie zu erinnern. Sich an ihr festzuhalten.

Das wichtigste aber, sich endlich mit unserer Sterblichkeit anzufreunden und im besten Fall zu erkennen, dass es ein Tor ist, das wir durchschreiten. Das ist ein schwieirger Prozess und muss sich erst vertiefen, bis er wirklich aufrichtig ist.

Als ich das schrieb, schämte ich mich schon einen Tag später, weil ich erkannte, dass es nur in dem einen Augenblick stimmte und im nächsten Augenblick als ich Angst um mich und meine Kinder bekam, dass ich mir doch (tiefer versteckt) wünsche in Sicherheit zu sein, dabei wissend, dass es soo viele nicht sind und ich freiwillig nicht die Plätze tauschen würde. (Also doch ganz deutlich diese Trennung vollziehe und wahrnehme)

Wieder eine Weile später beruhigte sich die Angst und eine innere Ruhe legte sich über mich und das friedliche Gefühl, dass es Ok ist zu sterben.

Ich vermute darunter noch ziemlich viele Schichten, bis es dann so weit ist. Der beste Vergleich mit dem Sterben ist noch immer die Geburt eines Kindes*. Eine Frau trägt 9 Monate ein Kind in ihrem Bauch und sie weiß, dass sie es auf die Welt bringen wird. An manchen Tagen will sie nicht daran denken oder bekommt Angst bei dem Gedanken wie das gehen soll, an anderen Tagen macht sie Atemübungen und geht zu einem Vorbereitungskurs, aber an allen Tagen wächst in ihr ein Wissen, wenn sie empfänglich dafür ist, das sie auf den Tag der Geburt vorbereitet. Und wenn der Tag der Geburt kommt, dann versteht sie, dass sie keine Worte  darauf vorbereiten konnten, was eine Geburt wirklich bedeutet.

*wohl wissend, dass es wohl eher das ungeborene Kind ist, das „sterben“ muss, um auf die Welt zu kommen. Aber aus dieser Perpektive habe ich keine bewusste Wahrnehmung und auch das Aufzeigen der mit Worten beschreibbaren Grenzen kann man anhand der Mutter besser herausstellen.

Und bitte um mehr davon.

Dich in anderen zu suchen ist eine ehrenhafte Angelegenheit. Hör auf damit! Dich in dir selbst zu suchen ist auch ein guter Ansatz. Hör endlich auf damit!

Solange du das falsche suchst, wirst du nicht finden, was du wirklich suchst, nicht in dir, nicht in anderen, durch nichts und niemanden.

Wo kein anderer ist und kein selbst, wo es keine Suche mehr gibt, nur eben das, was wir Liebe nennen. Halte diesen Ort fest und bitte leise um mehr davon.

Und wenn du dich im nächsten Augenblick ausgestoßen fühlst und dich wieder in der harten Welt der Trennung befindest, dann akzeptiere und bitte um Aufrichtigkeit.

Langsam fangen die Tänzer in deinem Innersten an, sich zu drehen und auf einmal weißt du um ihre (von diesem Moment aus gesehen: zukünftige) Kraft und für einen Auenblick weißt du nicht mehr, wer du bist, wer du meintest zu sein. Dann bitte um mehr davon.

Zeit ist eine Illusion und alles braucht Zeit hier in der Welt der Illusionen.

Ziehe die Schleier des Alltäglichen und des Bekannten, des Sichtbaren und Anfassbaren weg.

Ziehe den Schleier, auch wenn du ihn nicht siehst und ohne zu wissen wie, ziehe ihn weg und bitte um Beistand.

Und lege einen Schutz zwischen dir und der materiellen Welt, so dass sie dich nicht einnehmen kann.

Und frage dich zum tausendsten Mal, wie die Dinge und Du selbst so fest wirken können, wo doch alles aus 99,99999% Nichts besteht. Und frage dich, was dieses Nichts ist und wie du dorthin kommen kannst.

Frage mit etwas anderem als deinem Kopf. Frage mit dem Nichts in dir. Und bitte um mehr davon.

Und bezeuge der Erde, dem Mond, der Sonne, jedem Grashalm, jedem Staubkorn, jeder Seele, jeder vibrierenden Zelle deine Liebe und bitte ganz laut um mehr davon.

Geduld ist unerschöpfbar. Erschöpfst du, so fange noch einmal von vorne an.

Wirf alle Ideen weg. Diese konstruierten Geschichten, sie sind schon so lange zu eng geworden. Vergiss alle Konzepte von anderen und dir und in welchem Vehältnis du zur Welt steht oder die Welt zu dir, frag lieber das Ziehen um deinem Herz: Warum.

 

Fragen

Wenn die Worte ausgehen. Und dann wiederkehren.

Existiert Glück solange andere so leiden?

Wie kann ich Frieden finden, solange sich die Welt im Krieg befindet?

Und kann man mitten im Krieg Frieden finden?

Und wie könnt ich das  von meinem warmen, sicheren Zimmer aus bejahen?

Solange ich nicht dieses Kind gewesen bin, das voller Blut und Staub

und doch noch vollerer Klarheit in die Kameras der Welt schaut. Auf eine gewisse Weise erstaunt.

Wie kann ich es bejahen, solange ich nicht die Mutter gewesen bin, die all ihre Kinder mit einem Schlag verlor, solange ich nicht gefroren, gehungert habe, verängstigt, geflüchtet so weit jenseits all meiner Grenzen gewesen bin?

Wächst die Schrecklichkeit der Ermodeten mit ihrer Zahl und wenn ja, warum ist das so? Und verliert all das andere Leiden in Relation zu dem größeren (qualitativ und quantitaiv empfunden) seine Bedeutung? Hat Leid überhaupt eine Bedeutung und wenn nein, warum erscheint es uns so schwer zu akzeptieren?

Wie könnten wir erleichtert sein, dass es uns nicht getroffen hat, wenn es doch andere traf? Wir/Viele spüren in diesen Tagen, dass wir ein Körper sind.

Noch nie warst du „anderer“ mir so nahe wie in diesen Tagen, so als könnte meine Seele so schnell den Platz tauschen. Und deshalb kann ich nicht sagen: Gut, dass uns nichts passiert ist.

Und wenn ich diesen Weg weiter gehe, dann wird mir auch der nahe sein, der von der Rettung des Abendlandes spricht, fest überzeugt, dass es hier um einen Kampf a la Herr der Ringe geht, die Achse des (!) Guten und des (!) Bösen und so. Die Werte der Freiheit und des Menschensrechts, die er meint zu verteidigen, die Zivilistaion und der feine Geist, Erfindungen des Westens und  alles was hoch und erhaben ist gegen blutrünstige Barbaren, die ohne jeden Grund, nur im Namen einer menschenverachtenden Religion, die keinen anderen Inhalt besitzt als alle Andersgläubige zu vernichten. Der sich weigert, einzusehen, dass wenn man die Welt schon in zwei teilen will, der sogenannte Westen in einem alten, scheinheiligen Kreuzugs (erst im Namen der Religion und dann im Namen der Demokratie) unvorstellbar viel Zerstörung über so viele Teile der Erde brachte und wenn derjenige Recht hat, der zu den Anschägen in Istanbul schreibt, dass wer Gewalt säht, Gewalt ernten wird während er nach den Anschlägen in Nizza sein Profilbild mit der französischen Fahne färbt, wenn er Recht hat mit seiner Gewaltsresonanztheorie dann Gnade uns Gott oder auch nicht, je nachdem wie man das sieht, dann werden wir (Anwohner der westlichen Welt) noch sehr viel Gewalt zu ernten haben.

Ok, ich gebe es zu, noch sind mir diese Menschen nicht nahe, das Empfinden von Ungerechtigkeit schafft eine Grenze zwischen ihm und mir.

Aber ich wünsche mir, das zu überwinden.

Denn das ist unsere einzige Chance.

Das ist unsere einzige Chance. Ansonsten gehen wir alle gemeinsam drauf. Früher oder später.

Und wenn ich den Weg weiter gehe, dann ist mir irgendwann auch der nahe, der seine und meine Religion vergewaltigt, entwürdigt, der behauptet auf Befehl eines allbarmherzigen Gottes zu handeln in dessen Namen er jedes seiner Gebete beginnt, der sein Herz schon vor so langer Zeit verschlossen hat. Der mit der Scheinheiligkeit des Westens argumentiert, damit, dass ihre Toten keinen Wert in den Augen der Welt haben und dass Auge um Auge schon im alten Testament steht und  daraus ableiten will, dass erlittene Ungerechtigkeit das Recht zu mehr Ungerechtigkeit gibt. Der mit Köpfen Fusball spielt und dabei in die Kamera grinst, der meint, es wäre weniger grausam zu seiner Grausamkeit zu stehen anstatt von Weitem Bomben zu werfen. Der meint, er stirbt als Märytrer mit  Blut Unschuldiger an seinen Händen und wacht im Paradies wieder auf mit Jungfrauen und/oder Weintrauben und was das Herz so begehrt. Aber sein Herz ist schon so lange tot. Wie könnte etwas anderes als noch mehr Tod auf ihn warten?

Und dann wäre mir auch der Herrscher nahe, der von seinem Schreibtisch aus strategische Entscheidungen fällt, der von seinem Schreibtisch aus ganze Städte vernichten kann und es tut, Kriege anzettelt, der den Feind seines Feindes zu seinem Freund macht, dem jedes Mittel den Zweck heiligt, der sieht, dass die Welt zugrunde geht und sie weiter ausbeutet. So als könnte er irgendetwas mit ins Grab nehmen.

Wir sind eines, ob wir es wollen oder nicht. Unsere Einstellungen/Ideologien/Religionen/moralischen Werte mögen uns trennen, aber wir gehören zu einer Seele. Und es ist höchste Zeit, das zu erkennen.

 

 

 

 

 

Dezember Dialog

– In mir ein Schlachtfeld zwischen Verstand und Gefühl.

-Der Verstand ist überbewertet und Gefühle auch. Nimm sie nicht ernst wie zwei Kinder, die  über ein Spielzeug streiten.

-Wenn sie ihren Kampf draußen führen würden!

-In dir ist genug Platz. Wenn du dich von dem Schlachtfeld entfernst, wirst du die Weite in dir entdecken.

-Ich brauche Zeit.

– Das ist ok.

-Und Geduld.

-Das ist Ok

-Und Vertrauen.

-Alles ist gut.

 

Dieser Ort an den du immer wieder zurück kehrt

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Es ist wahr, was gesagt wird, dass alles irgendwann zur Anstrengung wird, wenn man es nicht mit Liebe und Zufriedenheit tut. Wenn man glaubt, dass einem dies oder das glücklich machen würde.

Früher oder später wird alles, was man meint zu lieben, den Glanz verlieren und man findet sich immer wieder an diesem Ort der Erschöpfung.

Und andersherum ist es wahr, dass man tun kann, was man will, wenn man diesen Ort in sich gefunden hat. Das Handeln ist nicht mehr Mittel zu irgendeinem bewussten oder unbewussten Zweck.

 

Der Schöpfer aller Universen sprach, Rumi

„Der Schöpfer aller Universen sprach,

‚Ich bin mit dem, der Geduld hat.

‚
Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens.


Tief in dir nagt der Zweifel, darum wenden sich die Dinge nicht zum Guten.


Löse diesen Zweifel vollständig auf.


Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens.


Es gibt sie, die wunderbare Welt des vom ewigen Lichts erfüllt seins.


Der Weise in dir, das Licht, ist der einzige Vertraute in dieser Welt.


Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens.“

*Dschalal ad-Din Muhammad Rumi*
1207-1273

Stimmen auf dem Weg zur Post

Nein. Es machte ihr keinen Spaß den Weg gehen zu müssen, um an ihr Ziel zu kommen. Wenn sie ehrlich war, dann wollte sie gleich dort sein. Die Schönheit der langsamen Entfaltung war zu sehr mit Mühe verbunden und sie war eigentlich immer noch zu müde für das Leben.

Manchmal kam es ihr vor als sei sie eine Leichtigkeit und Mühelosigkeit aus einem vorigen Leben gewohnt gewesen und die Last der Materie drückte sie nun mit voranschreitenden Jahren mehr und mehr.

So als würde sie die Festigkeit wie ein Magnet anziehen und das wiederum hatte paradoxerweise etwas mit der Leichtigkeit ihrer Seele zu tun, die sonst davonfliegen würde, wenn sie es nicht schaffte, in dieser merkwürdigen Welt zu verankern.

Sie wünschte sich tiefen Frieden, oder zumindest das Gefühl von Erleichterung: Jetzt, Sofort.

Und obwohl sie verstand, dass dieser Frieden immer nur im jetzigen Moment erfahrbar war, war ihr bewusst, dass das „Jetzt, sofort!“ nicht der richtige Ansatz war, denn er beinhaltete den Widerstand gegen die Tatsache, dass sie noch auf dem Weg war und nicht am Ziel.

„Wenn ich doch nur akzeptieren könnte, dass ich nicht akzeptieren kann.

„Und manchmal gelang ihr mit dieser Gedankenbrücke die Akzeptanz des Weges inklusive ihrem Wunsch, schon am Ziel zu sein.

Und wenn sie den Weg nach irgendwohin ging und bemerkte, dass sie in Gedanken schon mindestens 100 Meter voraus war, dann erinenrte sie sich:

Es gibt nichts als diesen Moment. Jetzt. Hier. Es gibt nur dieses hier. Alles andere ist in deinem Kopf und ob du diesen Moment magst oder nicht ist deine Entscheidung, aber es würde dir vieles einfacher machen, wenn du dich entscheidest, den Moment zu mögen, selbst wenn du frierst, aufs Klo musst oder dir langweilig ist.

Und dann mischte sich meist eine Stimme ein, die sie Erzieherstimme nannte, die ihr schon seit Jahren versuchte Dinge beizubringen, mit wie sie fand eher bescheidenem Erfolg:

Andere Menschen erleben wirklich schlimme Sachen, du hast überhaupt keinen Grund, dich zu beschweren.

Aber anstatt Dankbarkeit überkam sie an der Stelle immer ein Gefühl des Grauens und der Trauer für diese anderen Menschen und der Gedanke, dass das Leben zu schmerzhaft ist, kollektiv betrachtet. Denn  der Schmerz war zwar etwas, dessen Wert sie mit einer Distanz schätzen konnte, aber da ging es nur um ihre eigenen Erfahrungen von Schmerz, der ihr im Vergleich zu dem vieler anderer auf der Welt wie ein verwöhntes Kind vorkam, dass schon anfängt zu schreien, wenn der Arzt die Spritze gerade mal in der Hand hält und dennoch so schlecht von ihr auszuhalten geschweige denn zu akzeptieren; die Vorstellung dass es nur viel größeres Leid geben könnte war für sie nicht wirklich fassbar oder  gedanklich auch nur auszuhalten.

„Halt doch einfach den Mund!“, sagte sie dann dieser Erzieherstimme und unmittelbar danach fiel ihr ein, dass das doch ziemlich unfreundlich war und auch diese Stimme es wahrscheinlich nur gut meinte und fügte deshalb schnell hinzu: „Danke, dass du mir helfen willst, dankbar und zufrieden zu sein.“

Und als sie die Post fast erreicht hatte, fiel ihr auf, dass sie sich kaum befangen fühlte zwischen all den anderen und das freute sie, das Gefühl  nahe am Ziel zu sein.

Und es ärgerte sie nicht mehr so sehr, dass sie nicht aufhören konnte „nah oder weit vom Ziel“ zu denken, gut oder schlecht…

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Erinnerungen

Den Pathos verlieren, ohne gleichgültig, sarkastisch bitter zu sein. Sich seiner falschen Emotionalität entledigen.
Sachlich sein, aber nicht diese maschinengleichen, unbelebten Sachlichkeit.
Vielleicht muss man erst einmal aufrichtig sentimental sein, durch diese projizierende Emotionalität gehen und glauben, dabei glauben, dass es um etwas echtes geht: Mitgefühl, Einsatz, Interesse.
Immerhin scheint es näher am Leben zu sein als die Taubheit und das Desinteresse an etwas außerhalb ihrer selbst, die viele Menschen gefangen hält. Dann doch lieber entrüsteter, hilfsbereiter, dramatisierender Mensch.

Erst in der Erkenntnis, dass du nicht das bist, was du dir bisher erzählt hast/was die erzählt wurde, diese langweilige Geschichte deines Lebens, reduziert auf deine Sozialisierung, konditionierten Emotionen und gewohnten Gedankenbahnen, und die paar Dinge, die wir als Erinnerungen abgespeichert haben, das Leben auf ein mehr oder weniger willkürlich zusammengestelltes Fotoalbum reduziert.

Das zu vergessen, was wir glauben zu sein, hat nichts mit Demenz zu tun, sondern ist eine Bewegung in eine ganz andere Richtung: Hin zur Klarheit.
Erst wenn du eine Ahnung bekommst, dass wir Schauspieler auf einer Bühne sind, die so gut in ihrem Spiel sind, dass sie vergessen haben, dass es nur eine Rolle ist, erst dann entdramatisiert sich das Drama. Deines und das der anderen.

Das Ego* lässt dich glauben, etwas besonderes zu sein. Das Ego lässt dich glauben, unbedeutent zu sein.
Es lässt dich fordend sein oder zögerlich, verzagend. Sprechen oder schweigen.
Es spielt dich.
(Aber) Das spielt keine Rolle. Was es auch ist. Du brauchst es nicht überwinden. Beobachte es nur. In Dir. Kannst du erkennen, dass es nicht du ist, wird das Drama zur Komödie und von dort ist es nur noch ein kurzes Stück
bis du die Bühne verlassen darfst und raus in die Sonne, barfus durch das feuchte Gras, unbekannte Düfte in der Nase, die keinen Namen haben.

Die Materie tanzt ihren Tanz und du erkennst dass alles in einem ist und alles zugleich. Ein herrlicher Wirbel, der am Ende auch nur eine Illusion ist, aber eine die es wert ist, zu sein. Du siehst in den Augen, das gleich Sein, das du bist und niemand ist fremd. Du spürst in dem Kitzeln des Grashalmes, das gleiche Sein und in der Wärme der Sonne.

Und von dort aus ist es nur ein kurzes Stück, bis du es auch im kalten Wind erkennst, im schneidenen Eis und in den dunklen Tagen und dann ist es nicht mehr weit,

dann erkennst du es auch in der engen, staubigen, langweiligen Welt des Theaters und du kannst tun, was du willst, fühlen, was du willst, es wird dir gleich sein.

Das ist Reichtum, den niemand anderer nehmen kann, und näher kommen wir Menschen nicht an Freiheit heran.

 

 

*Im Sinne dieser falschen, menschlichen Identität, die wir uns zugelegt haben.

Frieden kennt keinen Krieg

Wann werden wir so hungrig nach Frieden sein, dass jede Rechthaberei ihren Reiz verliert?

Fast jeder sagt: Ich will Frieden.

Doch was tust du für den Frieden?

Solange du da stehst und mit deinem Finger auf den anderen zeigst, darauf bestehst, dass er sein Unrecht endlich einsieht, soange fügst du der Welt mehr Krieg zu.

Im Krieg sein bedeutet Abgrenzung vom anderen. Die Verneinung, dass er wie du ist.

Dein „liebevolles Herz“ wünscht allen Menschen gutes und möchte niemandem Schmerz zufügen,

bis auf die, die du zu deinen Feinden* erklärt hast. Die haben es verdient zu leiden, denn sie haben andere leiden lassen, sie sind schlecht. Sie sind keine Menschen wie du, denn du würdest so etwas nicht tun.

Und mit einem Mal freust du dich, wenn anderen etwas schlimmes passiert, weil sie deine Feinde sind, weil sie es verdient haben.

Wenn du religiös bist, dann betrachtest du ihre Schmerzen/Ängste/Leiden als Strafe Gottes, so als wüsstest du genau, wann Gott straft und wann er prüft. (Und das ist Anmaßung.)

Wie kann ein immer schlagendes Herz diesen Unterschied machen, so als würde es bei jedem Herzschlag entscheiden, ob er verdient ist oder nicht. Das kann also nicht dein Herz gewesen sein, das für den einen schlägt und gegen den anderen.

Und näher betrachtet, fühlt es sich so an, als sei es dein Gerechtigkeitssinn, der dich diesen Unterschied machen lässt. Es wurde uns früh beigebracht, dass wir Liebe nur verdient haben, wenn wir uns gut verhalten und fast genauso früh haben wir um von der eigenen schmerzhaften Erfahrung des Bedingt- geliebt-werdens abzulenken auf andere übertragen, wer verdient es geliebt zu werden und wer nicht. Als Alibi kam uns die Frage der Gerechtigkeit gelegen. Mehr noch als ein Alibi, das Gefühl, dass es den anderen genauso ergehen soll wie uns, wenn wir nicht angenommen werden wie wir sind, dann dürfen es die anderen auch nicht.

Es gibt einen Punkt in deinem Leben, da hast du die Möglichkeit erwachsen zu werden. Erwachsen in dem Sinne, die Fähigkeit zu entwickeln, das verletze Kind in dir zu heilen.

Das sogenannte Kind mag ein Teil des Ego sein mit seinem gesammelten, unbewältigten Schmerz und dein Erkennen, dass du weder deine konditionierten Strukturen und rechthaberischen Denkmuster, noch deine Ängste/Schmerzen bist, dass du etwas viel tieferes bist, das lässt dich auf allen möglichen Ebenen heilen.

Auch heilen von der Illsuion des Getrennt-sein, das dir Einsamkeit vortäuscht, wo niemals Einsamkeit war.

Du erkennst, dass der Feind im Außen in dir  war und dass niemand jemals durch Krieg besiegt wird. Und du erkennst, dass es viel Ungerechtigkeit auf der Welt gibt, weil jeder nur nach seinem eigenen Recht schreit.

Dann bist du Frieden, der kein Gegenteil hat. Du hörst auf zu beteuern, dass du eigentlich nur Frieden willst.

*ob nun temporär im Falle eines Streites, wo der Liebste/die Liebste/die eigenen Kinder,Eltern,Freunde, etc. plötzlich keinen Platz mehr in deinem Herzen haben oder kostant als das persofinzierte Böse, ob nun eine Gruppe oder ein Individuum.

Anmerkung: Viele verbinden den Zustand des Einssein mit allem mit Handlungsunfühigkeit und  einer morlaisch-relativistischen Einstellung. Aber das stimmt nicht. Du hörst nur auf, von einem Ort der Abgrenzung aus zu agieren. Du stehst dem Schwachen bei und erhebst dich gegen den Unterdrücker sobald du kannst, aber du handelst aus einem Ort, der die Einheit von allem erkennt.

Ich gehe davon aus, dass jeder, der sich selbst reflektierend  und so bewusst wie ihm möglich durchs Leben geht, diesen Ort kennnt und wer ihn kennt, dessen Wunsch wird sein immer an diesem Ort zu bleiben, auch wenn er (wie ich) vielleicht noch nicht immer weiß wie das geht. Aber der Wunsch wird stärker werden, er wird einen Sog und eine Stärke entwickeln, die dich dorthin ziehen, immer öfter, immer wieder.

 

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