Mary am Meer

Über Liebe

Es ist zu hell heut Nacht,
obwohl der Mond nicht scheint und auch keine Sterne.
Vielleicht sind es leuchtende Fenster.
Es ist schwer Schlaf zu finden
im Angesicht des Unbekannten.

Die Zäune sind elektrisiert.
Und der Himmel verhangen.
Es sollte leicht sein.
Abschied.
Alles beginnt mit dem Mut
zu vertrauen,
was eine dunkle Nacht bedeckt
hält.

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  Foto fotografiert. 

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Wer sein

Wie gerne würde ich in etwas anderes schreiben als in Worten!

Und wann habe ich angefangen, das Wort zu verdächtigen, es auf floskelhaft eitles Geschwätz zu reduzieren ? Im Zuge der großen Müdigkeit ist es passiert. Plötzlich gab es viel zu viel belangloses und auch wenn mir bewusst war, dass andere meinen können, was sie sagen und schreiben, vielleicht mehr verstehen als ich, erreichten mich die Worte nicht. Ihre und meine gleichermaßen.  (Viele meiner alten Texte stoßen mich ab.)

Ironie des Schicksals könnte man es nennen, dass ausgerechnet ich in diesem Zustand in einem Bücherladen arbeite. Einerseits sind da die Bücher voller Worte und andererseits belesene Menschen, die sich für Bücher begeistern. Über diese Brücke findet eine erneute, vorsichtige Annäherung an die Bücher statt.

Es kann sein, dass mir alles Vergängliche nicht der Mühe wert scheint, der Gedanke, dass durch das beste Buch und das perfekteste Bild keine Aufwertung/Unsterblichkeit gekauft werden kann und das Gefühl, dass wir Menschen genau das zu tun versuchen, dass am Ende nur das Gefühl der Verbundenheit zählt, das wir Liebe nennen und dass wir nur finden können, wenn wir endlich aufhören können, die Bestätigung unserer Wertseins (ziemlich nahe an: Wer sein) als Eintrittskarte in diesen magischen Ort zu betrachten.

 

 

Schwarzer Hund auf Zaun

Ursprünglich veröffentlicht auf Miriam Samara:

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Ein großer, schwarzer Hund kommt auf mich zu gerannt. Ich fürchte mich vor ihm, auch wenn es nicht sicher ist, dass er es böse meint. Er wird mich umschmeißen. Mit meinen Gedanken halte ich ihn auf, werfe ihn aus seiner Bahn, so dass er links an mir auf einem  hohen Zaun landet. Dort hängt er in der Luft. Ganz kurz überlege ich, ob ich ihm helfen sollte, da kippt er schon den Abgrund hinunter. Erleichterung breitet sich aus, auch wenn er mir leid tut.

Original ansehen

Wer, nicht Wo.

Immer noch auf der Suche nach dem uns verbindenden Element, nicht bereit Splitter zu sein.

Können wir wissen wer wir sind, ohne den Ort zu kennen zu dem wir gehören. (Ich meine: ja)

Was, wenn es immer so bleibt?, fragte er sie: Was machst du, wenn das immer so bleibt?

Sie war nicht bereit zu antworten.

Es stimmt:  Es ist sehr viel einfacher für sich selbst zu leben, als jemand anderen nahe zu lassen. Weißt du, ich habe es so satt von der Angst vor Nähe zu sprechen. Von Gefühlen, den Versuchen, sich dem anderen zu öffnen. Über das Rätsel. Rätsel sagen- auch wenn man die Antwort kennt.

Wusstest du, dass jedem Satz, der mit “Die Wahrheit über” anfängt nicht zu trauen ist?

Irgendwie hatte sie gedacht, dass es einfach zwischen ihnen sein würde, weil sie über alles reden konnten.

I wish you well. Tag I

Das Bedürfnis sich in einer anderen Sprache verstecken zu wollen.

Jedes mal, wenn die Finger die Tastatur berühren, werden sie schwer und der Kopf müde. Die Sätze sprudeln nur, solange sie sich in Sicherheit vor Festnahme und Bloßstellung fühlen.

Immer wieder daran denken, dass wir trotz unserer angepassten Art nach Ausgleich streben. Wenn mein Umfeld ganz in weiß gehalten wäre, würde ich nach Farben schreien, wenn zu viel Ordnung um mich herum wäre, würde ich sie zerschlagen, wäre es zu still, dann finge ich an zu schreien. Wie gerne würde ich den Wert eines Buches erleben, wäre mir die Abneigung gegen die Worte aufgrund ihrer Überflutungen fremd. Ich könnte die Wirkung der Sätze in meinem ganzen Wesen spüren.

Die Absichten sind meistens gut. An der Angemessenheit der Reaktion scheitert es oft.

Es ist kein Geheimnis: Aggressive Reaktionen sind oft ein Zeichen für die Unfähigkeit einer Auseinandersetzung des Geschehenen. Angriff als beste Verteidigung der unbedingten Notwenigkeit, Verdrängung aufrecht zu halten.

Eigentlich wollte ich schreiben, wie ich hoffe, dass es dir gut geht. Ohne Erklärungen.

Beobachtung der Diskrepanz zwischen Schreibendem/Schreibender und der ganzen Person haben die Schreibende in mir gehemmt, nicht nur das Gefühl der Sprachübersättigung. Erst wenn ich ganz die bin, wie ich schreibe oder ich schreibe ganz wie ich bin, das Schreiben keine Kompensation mehr für zwischenmenschliche Unfähigkeit zu sein scheint, dann erst.

Die Schulter sind noch immer verspannt. Sie lassen mich an einen Baum denken, der mehr und mehr verholzt.

Oft denke ich, wenn wir doch aufhören könnten mit dem Problematisieren, darauf vertrauen, dass sich alles genauso ergibt, wie es sein soll, wenn wir bereit sind, wenn wir das Bestehen der Vorzeitigkeit oder des Rückgängigmachens einstellen könnten. Leben im Jetzt, du weiß schon.

Jetzt nach dem Schreiben trotz der trägen Hände und Hirns, stellt sich Erleichterung ein. Es gibt merkwürdig, gequälte Laute in meinem Kehlkopf, die mir, wenn ich sie in Meditationen herauslasse ein Gefühl von Fremdheit dem bekannten Selbst geben und es gibt immer noch Träume, in denen ich als kleines Mädchen auf einer Schwindel erregend hohen Säule auf einem vereisten, kleinen Plateau stehe, links vor mir ein halb sichtbares, wollknäueliges Wesen, das das kleine Mädchen erschrecken will und es auch tut, das Mädchen schlittert nach vorn. Ich, die Erwachsene schaue von hinten aus auf einem Felsen stehend, getrennt durch eine nicht zu überspringende Kluft zu, will das Wesen verscheuchen und das Mädchen warnen, sie anweisen still zu stehen. Ich schreie ihr meine Absichten zu. Bis wann, frag ich mich. Wie lange kann man dort still stehen und wache dann auf.

Weißt du, wenn ich an die Flüchtlinge im Schnee denke, an hungrige, frierende, verlassene Kinder und an all die, die Verzweifelten, die ich ignoriere. Letztens haben sie- in Norwegen- Modeblogger in die Textilfabriken geschickt.

In in den Netzen meiner Sozialisierung, betäubt mit etwas, das ich nicht benennen kann, da es mir zu nahe ist.

Ode an die Zuversicht von Büşra Delikaya

Ode an die Zuversicht

Nenn mich verrückt, aber ich glaube an den Frieden.
Jenes Gefühl, für das sich unsere Erde in rote Lachen legte,
ihre reinen Wolken mit schwarzen Dämpfen übermalte.
Dieser Zustand, für den sich unsere Geister treffen,
fernab vondichtgesetzten Grenzen undrumgefetzten Wendungen.

Nenn mich idealistisch, aber ich halte fest an der Freiheit.
Ohne Bedenken und erhobenen Handgelenken
werfe ich das Zeichen und die zwei Finger in die Luft,
recke das Symbol des Sieges einer Menschheit –
durch alle Sphären, durch Enthemmung aller Barrieren.

Nenn mich dumm, aber ich höre auf diese Hoffnung.
Lausche durch böige Weiten und zwischen Bomben und Schreien,
nehme ich nichts als qualvolle Totenstille wahr.
Meine Wimper vermag dann nicht zu zucken,
wenn doch mein Herz zu stocken scheint.

Und solange der Kern meines Wesens
solange er langsamer wird,
solange er schneller schlägt,
wenn nicht gerecht ist was Gerechtigkeit formt,

ich meine nur,
solange diese Adern mit blauer Tinte
den Weg zu dem Friedenszeichen an meinen Fingern,
vom Arm bis zum Handgelenk zeichnen,
werde ich ihr stets folgen.

Ich werde die Einheit erkennen,
die ich in all den verschiedenen Hautstrukturen herauslese.
Ich werde mir die Realität herbeiwünschen,
diesen Wunsch zu einem Ziel formen,
die Utopie zur Tatsache schreiben.

Büşra Delikaya
http://buesrad.blogspot.de/

Fragen

Manchmal rosten Worte oder reifen in der geschützten Umgebung des nicht-Wissen-müssen.

Ist die Welt zu laut? Wurde nicht alles richtige gesagt? Diese Fragen, die einen schweigen lassen. Schweigen bedeutet in diesem Fall aber auch sich herauszuhalten aus dem Geschehen der Welt, Rückzug. Bleibt die Absicht und Handeln im kleinen. Ob Worte schon Taten sind?

Worte führen Kämpfe in unseren Köpfen.

Manche sagen: Worte führen zu Kriegen da draußen. Sie stellen sich streitende Kinder vor, die erst über etwas uneinig werden und sich dann aufgrund des Gefühls im Recht zu sein aufeinander stürzen. Und dann stellen sich vor, wie diese Kinder groß werden.

Dem Gefühl nach-schreiben

Frühlingsvögel und graue Stürme

und andere Arten Wolken. Ratlosigkeit.

Früher Rastlos,

versuche ich die Füße der Erde zu verhaften,

Wurzeln schlagen. Welt.

Muttersprache, die aus den Zehen keimt.

Aufwachen, die Stimme des Windes, vertraut

und fremd…zugleich, sagt man.

Immer wieder Sätze, die jeder zu Ende sagen kann.

Vor der Dämmerung ist die Nacht am dunkelsten.

Wir sind alle Brüder und Ali Ibn Abu Talibs politische Anweisungen vor 1400 Jahren. Puzzelteil I

“Wir sind alle Brüder”, sagt Lassana Bathily, der einige unschuldige Menschen im koscheren Supermarkt retten konnte.

Das ist der beste Satz, den ich seit längerer Zeit gehört habe.

Ali ibn Abi Taleb* soll vor 1400 Jahren etwas ähnliches geschrieben haben, als er Malik al Aschtar als Gouverneur nach Ägypten schickte:

Nun, Malik, sei auf der Hut!

Ich entsende Dich (als Gouverneur) in ein Land, in welchem zuvor schon sowohl die Gerechtigkeit, als auch die Despotie geherrscht haben. Zweifellos werden die Volksmassen über Dein Wirken genauso urteilen, wie Du über das Wirken der früheren Staatsmänner. Sie werden über Dich in gleicher Weise reden, wie Du es über die ehemals Regierenden tatest.

Mögen Deine kostbarster und liebster Schatz im gerechten und aufrichtigen Handeln bestehen. Beherrsche Deine Leidenschaften und zügle sie im Angesicht dessen, was Dir nicht erlaubt wurde. Übe um der Gerechtigkeit willen strenge Selbstbeherrschung, ob es Dir nun genehm oder nicht genehm erscheint. Schließe das Volk in Dein Herz und empfinde ihm gegenüber aufrichtige Liebe, Zärtlichkeit und Freundschaft. Möge Gott Dich davon abhalten, wie ein Raubtier auf Beute zu lauern!

Bedenke, dass das Volk aus zweierlei Gruppen besteht: die einen sind deine Brüder im Glauben und die anderen deine Brüder in der Schöpfung. Es kommt vor, dass beide Gruppen Verfehlungen begehen oder einer Schwäche erliegen, willentlich oder versehentlich eine Sünde begehen; dann mögest Du ihnen Deine Nachsicht und Vergebung nicht vorenthalten, genauso, wie Du Nachsicht und Vergebung von Gott erwartest (..) Das Volk ist also ein Prüfstein für Deine Taten.

Empfinde niemals Reue, wenn Du Vergebung geübt, und niemals Freude, wenn Du eine Strafe verhängt hast. Eile nicht dem Zorn entgegen, dem Du entweichen kannst. Denke niemals bei Dir: “Ich bin der Befehlshaber und gebe den Befehl, mir muss man gehorchen!” Denn solch ein Gedanke korrumpiert das Herz und den Verstand, schwächt den Glauben und führt die Regierung in den Abgrund.

Wenn Deine Macht Dich zu Arroganz und Prahlsucht verführen sollte, dann denke an das unermessliche Reich Gottes und seine Allmacht über das, worüber Du nicht zu entscheiden hast. Solche Überlegungen werden Deine Maßlosigkeit und Deinen Zorn beruhigen und eindämmen und Dich wieder zur Vernunft bringen. Achte darauf, nicht mit seiner Allmacht zu wetteifern und Deine Macht der seinen entgegen zustellen, denn Gott wird jeden arroganten und gnadenlosen Tyrannen demütigen.

(Oh Malik), sei gerecht gegenüber Gott und dem Volk einerseits und Dir, Deiner nahen Verwandtschaft und Deinen Freunden andererseits. Unterdrücke die Volksmassen nicht und lasse nicht zu, dass Deine Verwandten und Freunde sie in Deinem Namen unterdrücken. Wer immer die Geschöpfe Gottes unterdrückt, wird sich die Feindschaft Gottes genauso zuziehen wie die Gegnerschaft jener, die er unterdrückt hat. Jeder Tyrann und Unterdrücker befindet sich im Krieg gegen Gott, es sei denn, dass er Reue zeigt und von der Unterdrückung ablässt.

Bedenke, Malik, dass nichts in der Welt so wirkungsvoll Gottes Segnungen in Zorn umwandelt und nichts seine Vergeltung schneller hervorruft als Unterdrückung und Tyrannei über seine Geschöpfe. Denn der barmherzige Gott hört die Schreie und Gebete jener, die unter dem Stiefel der Grausamkeit und Tyrannei zertreten werden, und lauert auf die Unterdrücker.

Du solltest Dich ausschließlich für eine Politik entscheiden, die weder zu hart noch zu milde ist, eine Politik, die auf Gerechtigkeit basiert und weit und breit geschätzt wird, eine Politik, die die Zufriedenheit des Volkes nach sich zieht. Bedenke, dass das Missfallen der Allgemeinheit, d.h. der einfachen Menschen, der Armen und Unterdrückten mehr zählt als der Beifall und die Zufriedenheit der privilegierten Schicht; das Unbehagen dieser jedoch verliert gegenüber der Zufriedenheit der Allgemeinheit seine Bedeutung.

Bedenke, Malik, dass diese privilegierte Schicht der Abschaum der menschlichen Gesellschaft ist. Ihre Sattheit und Selbstzufriedenheit macht sie unbeweglich, und in den Stunden der Not und des Leids nützen sie Dir am wenigsten. Vor allem verabscheuen sie die Gerechtigkeit. Unablässig verlangen sie mehr, empfinden jedoch niemals eine Verpflichtung aufgrund der ihnen erwiesenen Wohltaten; werden ihre Forderungen gerechterweise abgelehnt, so werden sie niemals einen vernünftigen Grund akzeptieren. Ändert sich die Zeit, wirst Du sie niemals zuverlässig, treu und loyal finden.

Dagegen sind die einfachen Menschen, die Armen, die Randgruppen unserer Gesellschaft, die Pfeiler des Islam. Sie bilden in ihrer Geschlossenheit und Solidarität die wahre Gemeinschaft der Muslime und sind die in Bereitschaft stehende Kraft gegenüber den Feinden. Sie sollen Deine Anhänger sein, während Du Dir ihr Vertrauen und ihre Sympathie erwerben sollst.

Verachte und distanziere Dich von denen, die Skandale hervorrufen, Fehler nur bei anderen finden und Gerüchte über sie verbreiten; diese betrachte als Feinde des Staates. Es ist jedoch die Pflicht der Regierung, über geringe Mängel hinwegzusehen, denn jeder Mensch hat Fehler und Schwächen. Du solltest nicht nach Schwächen forschen, die vor Dir verborgen sind; überlasse das Gott! Du musst versuchen, den Menschen, deren Schwächen Du bemerkst, zu helfen, ihre Fehler zu erkennen und zu überwinden. Versuche nicht, die Schwächen der Menschen herauszustellen, dann wird Gott Deine eigene Schwäche bedecken und abschirmen, von der Du nicht willst, dass sie der Öffentlichkeit bekannt wird.

Gib den Menschen keinen Anlass, einander zu beneiden. Versuche, gegenseitiges Misstrauen, Feindschaft und Hass unter dem Volk zu beseitigen. Sei unparteiisch und gerecht in Deinem Handeln gegenüber anderen; (..)

Suche niemals einen Vorwand, um Vergeltung üben zu können, und beharre nicht auf Dingen, von deren Richtigkeit Du nicht eindeutig überzeugt bist. (..)

Es besteht kein Zweifel daran, dass der wirkliche Grund für die Verwüstung und den Ruin eines Landes in der Armut des Volkes zu suchen ist. Die Hauptursachen für die Armut eines Volkes liegen in der Gier seiner Herrscher und Staatsmänner, die ausschließlich darauf bedacht sind, auf legale oder illegale Art und Weise zum eigenen Nutzen Reichtum und Besitztümer anzuhäufen. Da sie der Dauerhaftigkeit ihrer Positionen und Stellungen und ihrer Macht und Herrschaft misstrauen, trachten sie in der kurzen Zeit ihrer Verfügungsgewalt einzig danach, den größtmöglichen Gewinn für sich selbst herauszuschlagen. Sie haben nichts aus der Geschichte der Nationen (und den Lektionen der Zeit) gelernt. (..)

Um Gottes Willen, Malik, um Gottes Willen, ich warne Dich hinsichtlich der Armen. Fürchte Gott angesichts ihrer Lebensbedingungen und Deiner Haltung ihnen gegenüber. Sie haben keine Stütze, keine Reserven und keine Chancen. Sie sind mittellos, haben keinen Rückhalt und sehen keinen Ausweg. Viele von ihnen sind verkrüppelt, arbeitsunfähig und an den Boden gefesselt. Einige betteln, andere tun es nicht, um nicht die Achtung vor sich selbst zu verlieren; doch ihre Not, Verlassenheit und der Mangel, den sie leiden, schreien zum Himmel. Um Gottes Willen, Malik, schütze sie und ihre Rechte. Diese Verantwortung ist Dir von Gott auferlegt worden. Setze für sie einen Anteil aus dem Staatsschatz fest; stelle außerdem einen Anteil aus dem Erlös der in allen islamischen Gebieten hergestellten Güter zu ihrer Verfügung; denn jeder hat das gleiche Recht auf einen Anteil, unabhängig davon, wo er sich befindet, sei es nah oder fern.

Ich möchte Dich nochmals daran erinnern, dass du die Verantwortung dafür trägst, dass die Rechte der Armen gewahrt werden, und Du Dich um ihr Wohlergehen zu kümmern hast. Hüte Dich vor Amtsanmaßung, um nicht den Blick für sie und für diese schwere und wichtige Verantwortung zu verlieren. Du hast einen so wichtigen Posten, dass du keine Befreiung von der Verantwortung selbst für kleinste Irrtümer, Unterlassungen oder Fehler beanspruchen kannst mit der Entschuldigung, Du wärest voll und ganz mit den größeren Problemen des Staates beschäftigt gewesen, denen Du Dich mit aller Sorgfalt gewidmet hättest. Daher achte sehr genau auf die Mittellosen und setze Dich persönlich für sie ein. Vermeide ihnen gegenüber jegliche Arroganz und Eitelkeit. Denke daran, dass deine besondere Sorgfalt und Dein Mitgefühl denen gehören muss, die Dich aus eigener Initiative nicht erreichen können und auf die andere herabsehen, sie sogar voller Ekel, Abscheu und Verachtung betrachten. Setze für ihre Belange Persönlichkeiten ein, die vertrauenswürdig, gerecht, gottesfürchtig und bescheiden sind und Dich ständig über das Schicksal der Armen auf dem laufenden halten. …..

Die vollständige Übersetzung der Rede, die ich in Auszügen übernommen und an einigen Stellen leicht verändert habe (da ich sie für fehlerhaft hielt, könnt ihr hier lesen.

*Ali ibn Abi Talib war der Cousin, Ziehsohn und Schwiegersohn Muhammads und 4. Khalif nach Muhammad. Er betonte, dass all sein Wissen von Muhammed selbst stammt. Deshalb hat eine Überlieferung von Ali bei den Muslimen so hohen Wert.

Was unglaublich ist.

Meist verschwinden das Schreiben und das Malen gleichzeitig. Diesmal sind es nur die Worte, die mir aufgrund der Ereignisse, die einen dunklen zukünftigen Schatten werfen fehlen.

Bilder

Ich warte auf den Staatsanwalt in meinem Kopf, der die Tatsachen sammelt, sortiert und in einen sinnvollen Zusammenhang bringt. Bis jetzt habe ich Fetzen und weiß nicht, wie ich sie legen soll.

Ich bin einerseits froh, dass ich keine  laute Stimme habe, so dass es am Ende unbedeutend ist wie ich zu den Geschehnissen der Tage stehe. Feststeht (für mich) mittlerweile, dass wir durch Medien und virtuelle Vernetzung auf bedenkliche Weise emotional-politisch konditioniert werden. Nicht, dass das vorher nicht stattgefunden hätte, das manipuliert werden, nun aber ist es dichter, schneller; unglaublich emotional springt ein pseudo- politische Bewusstsein auf das Individuum über, das an Fakten nicht sonderlich interessiert ist, sondern eher daran Teil von etwas zu sein, seinen Ärger, seine Trauer, seine Ohnmacht, seine Angst, seinen Hass auf jemanden abladen zu können (Ok, das wiederum ist nichts neues, die gleichen Mechanismen funktionieren eben immer und immer wieder, das ist es, was mich und den Propheten unter anderem so unglaublich müde macht).

Froh bin ich, weil egal wie laut und klar die Stimme wäre, sie würde nichts ausrichten können gegen die unglaubliche Trägheit der Masse. Die Menschen, die Dinge kritisch und differenziert betrachten, werden in Diktaturen gleich umgebracht. In freiheitlich, demokratischen Ländern hat man andere Mittel. Man integriert (wenn es geht, wenn nicht gibt es noch andere Mittel) den Kritiker in das System, benutzt ihn als Alibi der eigenen Liberalität und weiß, dass er nicht viel ausrichten wird gegen die benebelten Massen. Hier Ein vorzügliches Beispiel für die Existenz reflektierter Menschen.

Andererseits quält mich das Gefühl meiner eigenen Ohnmacht, würde dem Wahnsinn, der draußen passiert gerne ins Gesicht schreien anstatt zu schweigen.

Radikale Selbstliebe. Ein Werbetext

Radikale Selbstliebe. Etwas anderes bleibt dir nicht übrig. Jeder der genug gelitten hat, weiß das.

Radikale Selbstliebe. Jede Zelle deines Körpers, deines Seins. Erst wenn du verstehst, dass du Grund genug bist, fängst du an zu leben.

Radikale Selbstliebe befreit dich von Narzissmus und Egozentrik. Erst jetzt bis du auch für andere da.

Radikale Selbstliebe ist die Heilung, die du suchst. Das Ende der Destruktivität.

Radikale Selbstliebe ist die Kraft, die dich morgens aus dem Bett holt und dich die Welt erleben lässt als würdest du sie zum ersten Mal sehen.

Radikale Selbstliebe ist es was du jeden Tag da draußen suchst. In einer Person, in einem Ding, in einem Geschehen.

Sie ist ein Zustand aus dem niemand mehr hinaus treten will, wenn er den Frieden spürt, die sie umgibt, so als könnte uns nichts geschehen in dem Zustand der Ganzheit und Lebendigkeit. Das einzige, was dir geschehen kann ist, dass du aus diesem Zustand herausgerissen wirst. Und dann klingt allein das Wort Selbstliebe wie kitschig, gequirlter Schei… Mist, macht das plötzlich alles wieder keinen Sinn, fängst du wieder in anderen zu suchen, was du in dir nicht zu finden vermagst, bist du wieder die Wartende, suchst du Erlösung, bildest dir ein, dass du etwas ändern müsstest, damit du die Liebe verdienst.

Dann möchtest du kalte Worte ins Universum brüllen, das dir keine Heimat geben will, obwohl es so groß ist und hängst noch das Elend der Welt mit hinten dran. All diejenigen, die kein Dach über dem Kopf haben, die ihre Liebsten brutal verloren haben, den Hunger, die Kriege, die Gewalt, die Ungerechtigkeit.

Radikale Selbstliebe schaut nicht weg. Sie kennt den Schmerz und je besser sie den Schmerz kennt, umso sicherer weiß sie, um die Notwendigkeit ihrer Selbst.

Es gibt keine Worte, die dich in den Zustand der radikalen Selbstliebe versetzen können. Nur Hinweisschilder. Du entscheidest, ob du ihnen folgen magst. Aber selbst, wenn du dich mit zynischer Verachtung abwendest, wird sie dir begegnen, wenn du genug gelitten hast. Selbst wenn du nicht an sie glauben kannst, lasse die Möglichkeit ihrer Existenz zu.

Nicht sie zieht den Schleier, wir sind es.
Und wir können ihn wegziehen, selbst wenn wir nicht wissen wie.

(Im Nachhinein ist mir selbst, aber auch durch die Kritik von jemand anderem klar geworden, dass der Text sich nicht genau ausdrückt. Es ist nicht die Selbstliebe, die der Zweck an sich ist, sondern eher die notwendige Basis, um die Welt wahrzunehmen und interagieren zu können. Es ist mehr als Selbstliebe gemeint, bzw ist sie in dem Sinne gemeint, dass sie die Grenzen zwischen dem Ich und dem Du verwischt, da einem im beschriebenen Zustand bewusst ist, dass das Selbst, das man da liebt, nicht man selbst ist (so paradox es klingen mag). Wenn ich jede Zelle liebe, weiß ich, dass es nicht meine Zelle ist, sondern mir nur sehr nahe. Und aus dem Ort dieser Nähe heraus, nähert sich alles andere. Deshalb ist es das Ende von Narzissmus und deshalb können wir erst von dort aus den anderen nah sein, sie lieben, uns ganz mit ihnen verbunden fühlen. Früher glaubte ich, dass das nicht stimmt. Ich spürte mich anderen mehr verbunden als mir selbst, lebte mein Liebesbedürfnis durch sie aus. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass das nicht gut geht, da diese Liebe keine Wurzeln tragen kann.

Im Prinzip meine ich mit radikaler Selbstliebe eine allesdurchdringende Liebe, die in einem ensteht und ausstrahlt.)

 

Nicht seine Schuld.

Halte sie ein wenig fester oder lass sie ein wenig mehr los. Nicht alles in der Mitte ist gut.
Wenn die beiden Enden gleich lang sind, entsteht eine Art Vakuum in der Mitte.

Am schlimmsten ist der Schreck darüber, gerne benutzt zu werden. Wenn er sie mehr benutzen würde, hätte sie kein (spürbares) Problem. Das kann sie ihm nicht vorwerfen. Ihren Wunsch. Deshalb steht sie da und schweigt. Lässt sich abstellen. Wartet auf die Wut, die sich nicht einstellt. Versucht sich loszumachen. Aber sie steht genau in der Mitte und alles, was sich auftut ist ihr eigener Abgrund.

Sehnsucht nach Reduktion

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Karges Land, Steppe. Ausgewaschene Farben. Dorthin gehören. Die klaren, erdfarbenen Linien dem sattgrünen Gras, Bäumen und bunten Blumen vorziehen. Nicht Dschungle sein, nicht Meer.

2015 (ohne Personifizierung)

Die Sonne scheint auf den Müll von gestern.

Müll, der entstanden ist, um das neue Jahr zu feiern und die schlechten Geister des vergangenen zu verjagen.*

Übergänge sind wichtig. Markierungen. Hier hört etwas auf und hier fängt etwas neues an.

Manche sehen das erst mit den Jahren ein (wie ich), hielten Rituale für ausgedachten Blödsinn. Sie spürten nichts dabei und deshalb verstanden sie es nicht.

Mit den Jahren wird die Notwendigkeit vereinbarter Augenblicke deutlicher, wie ein Kind, dem die Zeiteinheit einer Woche nur sehr abstrakt etwas bedeutet, geschweige denn Monate und Jahre, das erst nach und nach in die Zyklen hineinwächst, die zunächst wie verschiedene Bezeichnungen für verschiedene lange Ewigkeiten klingen, ist der Abend doch am Morgen noch unendlich lange hin, besonders, wenn man etwas freudiges erwartet und das Kind meint vor Spannung zu zerspringen, es versteht nicht, wie es sein kann, dass Dinge so lange dauern.

Von solchen Zeitempfindungen können die Erwachsenen nur träumen und es scheint, dass das Verstreichen der Zeit sich mit jedem Jahr beschleunigt. Vielleicht liegt das Verstehen vom Sinns der Übergänge mit der Erkenntnis der Beschleunigung unseres Zeitempfindens zusammen.

Nächstes Jahr wäre ich gerne in einer Hütte auf einem Berg. Ich würde das neue Jahr von dort aus willkommen heißen.

Hier ist eine Grenze, überschreite sie, etwas altes endet, etwas neues fängt an.

*Man beachte den dezenten Hinweis der Kontraproduktivität mit Müll ins neue Jahr zu starten.

Neujahr

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